Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 8 (August 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-08-01
- Page
- 411 (sequence 3)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 411 hervor, denen gegenüber die Kandidaten der dortigen Wahlkreise ihre Verwunderung darüber ausgedrückt hatten, daß ihnen gegenüber eine solche Anfrage überhaupt für nöthig gehalten werde. Eine Veröffentlichung der unS zugegangenen Antworten behalten wir uns im einzelnen Falle vor. Anfragen aus den Kreisen unserer Mitglieder über die Stellung der Abgeordneten beantworten wir gern. Soweit dies bei der Kürze der Zeit noch möglich war, sind die eingelaufenen Antworten vor der Stichwahl durch unseren Vertrauensmann den jüdischen Wählern kundgegeben worden. Ein einziger Stichwahl-Kandidat, der Herr Landesbranddirektor von Egloffstein in Weimar, hat es für nöthig gefunden, unsere Anfrage zu veröffentlichen. Derselbe hatte uns am 21. Juni d. I. geschrieben: Dem Central - Verein kann ich auf die Zuschrift nur entgegnen, daß ich kein Antisemit bin, aber eine Zumuthung so weitgehender Art, wie die nebenstehende Erklärung enthält, könnte allerdings auch den harmlosesten Menschen irre machen. Nachdem in Weimar der Sozialdemokrat Baudert gewählt worden, brachte die „Staatsbürger-Zeitung" am 9. Juli einen Leitartikel, in welchem mitgetheilt wurde, daß Herr von Egloffstein auf unsere Aufrage erwidert habe, „er sei zwar kein Antisemit, doch sei die Zumuthung, derartige Erklärungen zu unterschreiben, wohl geeignet, einen jeden zum Antisemiten zu machen". Dies war nun zwar nicht der Wortlaut der uns zugegangenen Antwort, aber traf doch insoweit zu, daß diese letztere offenbar nicht von dem „harmlosesten Menschen", sondern von einem Korrespondenten der „Staatsbürger - Zeitung" herrührte, der nicht erst durch unsere Anfrage zum Antisemiten geworden war. Die weiteren Ausführungen der „Staatsbürger- Zeitung" veranlaßten bereits am anderen Tage die „Freisinnige Zeitung" zu den nachfolgenden treffenden Aeußerungen: Uns ist von solchem Anschreiben des Central - Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nichts bekannt. Nicht verständlich aber erscheint uns, warum die „Staatsbürger-Zeitung" sich darüber so außerordentlich aufregt. Auch sonst werden ja von einzelnen Wählerkreisen, unabhängig von den politischen Parteien, den Kandidaten Erklärungen in Bezug auf Spezialfragen aller Art vorgelegt. Von den Juden kann man doch nicht verlangen, daß sie einem Antisemiten die Stimme geben. Denn, wie in der gegnerischen Presse selbst bei anderen 31