Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 8 (August 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-08-01
- Page
- 397 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 397 Besserung zu rechnen ist. Anläßlich deS Ausfalls der Reichstagswählen schrieben die „Akademischen Blätter", das Organ der „Vereine deutscher Studenten", am 1. Juli: „Bei diesem Mißerfolg des offenen politischen Antisemitismus ist es umsomehr unsere Pflicht, die Augen offen und das Feuer warm zu halten, damit der immer weiter sich verbreitende gesellschaftlicheundsonstige politisch latente Antisemitismus nicht auch Schaden nimmt, sondern rüstig sortschreitet, bis er stark genug ist, auch politisch die Entscheidungsschlacht zu schlagen." Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort; sie ahnt kaum, welche Gefahren durch die Pflege des „gesellschaftlichen und sonstigen politisch latenten Antisemitismus" für Staat und Gesellschaft hervorgerufen werden; verblendet durch die Macht der Phrase sieht sie nicht, daß der Religions¬ und Rassenhaß das Volksgemüth vergiftet und für Umsturz-Ideen empfänglich macht. Der antisemitische Fortschritt zu einer Entscheidungsschlacht würde nichts Anderes begünstigen als — di« Anarchie. Wie herrlich' weit man es bei solchen Fortschritten bringen kann, dafür bieten die erbaulichen Zustände in Oesterreich, Frankreich und Rumänien ein so deutliches Zeugniß, daß kein deutscher Patriot ernstlich AehnlicheS für Deutschland herbeiwünschen kann. Am S. Oktober d. I. soll in Weigl's Dreherpark in Wien eine große „Gedenkfeier der antisemitischen Bewegung in Oesterreich" begangen werden. Die politischen und wirthschaftlichen Verhältniffe haben sich aber jenseits der schwarzgelben Grenzpfähle seit dem Beginn dieser Bewegung so wesentlich verschlechtert, daß man wahrlich kaum Grund hat, diese Gedenkfeier festlich zu gestalten. Selbst solche Blätter, welche keine Spur von Parteilichkeit für die Juden zeigen, sprechen sich jetzt offen über die Mißwirthschaft der Wiener antisemitischen Stadtverwaltung aus. So schrieb vor Kurzem die freikonservative „Post": „Man hat in jüngster Zeit viele unerbauliche Dinge über die Wiener Stadtverwaltung gehört und gelesen. Krasse Exempel von parteimäßiger Protektionswirthschast und zuletzt Indiskretionen über die an gefaulte Moral gewisser maßgebender Stadtväter haben das Regime in Verruf gebracht. Aber am gefährlichsten dürfte der herrschenden Partei das Gasexperiment werden. Die Ablösung des der alten Gesellschaft gehörigen Rohrnetzes war um 14 Mill. Gulden zu erreichen, der Neubau wird mindestens 30 Millionen kosten. Und nun hat die Gemeinde auch den gegen die Gesellschaft angestrengten Prozeß bezüglich der Straßenbeleuchtung der Vorort« von Wien verloren. Nach dem Urtheil des Oberlandes- 30'