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Im deutschen Reich · 1898-08-01 · Heft 8 (August 1898) · p. 395

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 8 (August 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-08-01
Page
395 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Umschau. 395 Sonmnberg, vertreten sein, wenn sich nicht der Abg. Köhler doch noch bewegen läßt, auf sein hessisches Mandat zu Gunsten des in Dresden-Altstadt durchgefallenen Abg. Zimmermann zu verzichten. Im Jahre 1893 kam Zimmermann in diesem Wahlkreise zur Stichwahl mit dem Sozialdemokraten, in der er mit Hülfe der konservativen Stimmen siegte. Diesmal kam der konservative Professor Dr. Weidenbach in die Stichwahl mit dem Sozialdemokraten Gradnauer, welchem die über die Konservativen erbosten Dresdner Antisemiten zum Siege verholfen haben sollen, obgleich Gradnauer früher Jude war und jetzt konfessionslos ist. Die konservativen „Dresdner Nachrichten" schrieben: „Auf Herrn Zimmermann folgt Herr Gradnauer; das ist die natürliche Entwickelung. D i e FrüchteZimmermann'scher Agitationmußüberall die Sozialdemokratie pflücken. Aus den Händen des bisherigen Führers der Reformpartei haben die Umstürzler die Mandate von Dresden-Land, von Dresden-Altstadt und -Neustadt empfangen." Die Wahl Oradnauer's in der bisher durch den Antisemitenführer Zimmermann vertretenen sächsischen Hauptstadt erregte ebenso wie diejenige des Sozialdemokraten Dr. Herzseld^ in Rostock, derjenigen mecklenburgischen Stadt, in der früher ein Jude nicht ohne polizeiliche Erlaubniß nächtigen durfte, großes Aufsehen. Konservative Blätter rechneten deshalb aus, daß dem neuen Reichstage acht Mitglieder jüdischen Bekenntnisses angehören würden, die sämmtlich Sozialdemokraten seien, die Abgg. Singer, Stadthagen, Wurm, Haase, Schönlank, Gradnauer, Hoch und Herzfeld. Der „Rhein. Kurier" bemerkt hierzu: „Ganz stimmt die Sache nicht, denn Schönlank ist getauft, und die meisten der Uebrigen (vielleicht Alle bis auf Singer) sind Dissidenten. Will man die frühere Konfession der Abgeordneten zum Maßstab machen, so giebt es im neuen Reichstage nicht acht, sondern neun „Juden". Der neunte ist dann nämlich der freikonservative Herr Doktor Arendt." Wenn trotzdem zahlreiche Organe der konservativen Partei konsequent behaupteten, daß die Mehrheit der Juden der sozialdemokratischen Partei Vorschub leistet, so bewies ein schneidiger Artikel der „Schwäbischen Tagwacht", welcher die Überschrift: „Die Reichstagswahl und die Juden" trug, das strikteste Gegentheil. In diesem Artikel des sozialdemokratischen Blattes wurde „die gleichgültige Haltung der jüdischen Mitbürger während des Wahlkampfes als unbegreiflich" bezeichnet; es wurde in demselben außerdem ausführlich dargelegt, daß der Jude zwar auf dem Papier mit seinen übrigen Mitbürgern gleichgestellt sei, aber in Wirklichkeit noch die Ketten des Ghettos an seinen Füßen klirren höre. Es wurde dann weiter wörtlich gesagt: 30

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