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Im deutschen Reich · 1898-08-01 · Heft 8 (August 1898) · p. 394

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 8 (August 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-08-01
Page
394 (sequence 5)
Language
German
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894 Im deutschen Reich. sei. Dasselbe Blatt begrüßte die in Siegen erfolgte Wiederwahl Adolf Stöcker' 8 damit, daß es mit den Siegländern beiheuerte: „Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu." Ob dies dem Hofprediger a. D. viel helfen wird, ist aber noch recht zweifelhaft, denn gegen seine mit einer Mehrheit von nur 27 Stimmen erfolgte Wahl wird wahrscheinlich mit Erfolg Protest erhoben werden. Die Anfechtung der Wahl stützt sich auf eine ganze Reihe auffallender Vorkommnisse. Der antisemitisch-konservative Wahlkandidat Freiherr v. L a n g e n, der sich s. Z. der Feder des bekannten Karl Paasch bediente, um eine politische Bedeutung zu erlangen, und später von diesem Hilfsarbeiter arg bloßgestellt und auch von anderen radikalen Antisemiten wegen seines Abschwenkens zu den Konservativen hart angegriffen wurde, ist trotzdem im Stralsunder Wahlkreise wiedergewählt worden. Im Verlaufe der Wahlagitation ist es dem Freiherrn übel genug ergangen; in einer am 27. Juni in einer Vorstadt Stralsunds abgehaltenen Wahlversammlung wurde er durch einen Wurf mit einem Bierseidel an der Stirn erheblich verwundet und durch Stockschläge zur Flucht gezwungen. Seine Wiederwahl gehört, ebenso wie diejenige einiger antisemitischer Koryphäen des Bundes der Landwirthe, zu den unerfreulichsten Ergebnissen der letzten Reichstagswahl. In dem am 26. Juli einer Rippenfellentzündung erlegenen Vorsitzenden des Bundes der Landwirthe, Berthold vonPloetz, der kurz vorher von dem Pyritzer Kreise in den Reichstag gewählt war, hat das deutsche Agrarierthum einen Führer verloren, der lebhaft mit den Antisemiten sympathisierte und auch in konservativen Kreisen einen starken judenfeindlichen Einfluß ausübte. Unter seiner Leitung wurde die deutsch-soziale Reformpariei den Landwirthen gegenüber als die zuverlässigste bezeichnet und dem in's agrarische Lager übergetretenen ehemaligen Verwaltungsmitgliede der „Deutschen Bank", Dr. Hahn, der neuerdings wieder ein Neichstagsmandat erlangte, die Möglichkeit geboten, alle Mängel des Börsenwesens den Juden zur Last zu legen. Welche Entwickelung die Gründung des Herrn von Ploetz künftig nehmen wird, steht dahin; es ist anzunehmen, daß der neue Vorsitzende des Bundes der Landwirthe, von Wangenheim, sich noch mehr als vonPloetz von dem stark antisemitisch angehauchten Dr.Diederich Hahn beeinflussen lassen wird, trotzdem dieser und der Führer der Reformpariei, Liebermann von Sonnenberg, wiederholt ihren Einfluß in einer für den Vorsitzenden wenig angenehmen Weise geltend zu machen gesucht haben. Die deutsch-soziale Neformpartei wird in dem neuen Reichstage nur durch einen ihrer Führer, den Abg. Liebermann von

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