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Im deutschen Reich · 1898-08-01 · Heft 8 (August 1898) · p. 387

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 8 (August 1898)
Article
Die Lage in Oesterreich
Date
1898-08-01
Page
387 (sequence 3)
Language
German
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Die Lage in Oesterreich. 887 er ist etwas noch Schlimmeres — er ist ein Jude! Als man wegen der Exeefle eine halbe Eskadron Husaren nach Strzyzow sandte, fand man keinen geeigneteren Ort, die Pferde «inzustellen, als den jüdischen Friedhof! Der Friedhofsaufseher Jakob Hagel sagte nun: „Warum werden die Pferde nicht auf dem christlichen Friedhof eingestellt?" Dafür wurde er zu einem Jahre schweren Kerkers mit Fasten in jeder zweiten Woche verurtheilt. „Denn," sagte der Staatsanwalt, „man müsse zeigen, daß die Schuld an den Unruhen nicht nur auf Seite der Bauern, sondern auch auf der andern Seite gelegen sei, die Juden haben sich provokatorisch benommen, weil sie sich nach dem Eintreffen der Kavallerie als Herren der Situation fühlten." Da die Husaren erst nach den Exceffen zum Schutze der Juden geschickt wurden, so muß man annehmen, daß die Plünderer mit prophetischem Geiste begabt wußten, der Jude Jakob Hagel werde die Verunreinigung des Friedhofs tadeln und sie dadurch zum Plündern provozieren". Der Vertheidiger des Juden hat selbstverständlich Berufung eingelegt, und so ist zu hoffen, daß die höhere Instanz den merkwürdigen Richterspruch rektifizieren wird. Was nun meine Prophezeiungen betrifft, so habe ich vor zwei Jahren gesagt: „Man bekämpft den Pater Stojalowski von Seite der Negierung und Geistlichkeit, weil er das Hetzen gegen die Juden nur als Nebengeschäst betreibt und hauptsächlich gegen den polnischen Adel und Klerus agitiert." Seitdem hat er seinen Frieden mit weltlichen und geistlichen Mächten gemacht und betreibt den Antisemitismus als Hauptgeschäft. Er steht in Gnade und ist zahm geworden, man könnte sagen auf Juden dressiert. Auch Dt-. Lueger ist inzwischen vollkommen dressiert worden, ist als Bürgermeister von Wien bestätigt worden und gebärdet sich als der loyalste Unterthan und frömmste Christ. In den Tagen, da Badem gestürzt wurde — er hatte seinen jesuitischen Lehrmeistern keine Ehre gemacht und die Sache gar zu plump und ungeschickt betrieben — da hängte auch Bürgermeister Lueger sein schwarzroth-goldenes Mäntelchen um. Aber die Sonne lächelte den Deutschen nur ein paar Tage, und so hat er das Deutschthum bis zur nächsten Gelegenheit wieder aus die Seite gelegt und trägt sich ostentativ österreichisch - klerikal. Er hat auch eine Kundgebung der Stadt Wien zu Gunsten der Grazer Deutschen

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