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Im deutschen Reich · 1898-08-01 · Heft 8 (August 1898) · p. 383

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 8 (August 1898)
Article
Moses Mendelssohn als Pädagoge
Date
1898-08-01
Page
383 (sequence 13)
Language
German
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Mendelssohn als Pädagoge. 883 Auffassung de» Erziehungsberufe». In diesen engen Grenzen bewegt sich auch der Erziehungsbegriff der Herbart-Ziller'schen Schule. Hier gilt die Parole: „Nulla salus extra ecclesiam“ (sc. christianam); hier ist wenig zu spüren von der Humanität, die auch die religiösen Anschauungen Andersgläubiger achtet. Diese beschränkte Auffassung steht in diametralem Gegensatz zur Sittlichkeit. Wir fordern eine sittliche Gesinnung, die sittliche Willensakte erzeugen soll. Mendelssohn äußert sich folgendermaßen hierüber (a. a. O., B. H, p. 263): „Das Gebiet der inneren Sittlichkeit ist unumschränkt, es erstreckt sich auf alle unsere Handlungen ohne Ausnahme, auf die inneren, auf die äußerlichen, auf die kleinen Handlungen, woraus andere zusammengesetzt sind, und sogar auf die entferntesten, die auf unseren gegenwärtigen Wandel nur den mindesten Einfluß haben, weil die kleinsten'Umstände zu der völligen Rechtschaffenheit einer Handlung das ihrige beitragen." Dem sittlichen Streben wird erst durch das religiöse Moment die rechte Weihe verliehen. „Ohne Gott, Vorsehung und Unsterblichkeit," sagt Mendelssohn, „haben alle Güter des Lebens in meinen Augen einen verächtlichen Werth, scheint mir das Leben hienieden, um mich eines bekannten Gleichnisses zu bedienen, wie eine Wanderschaft in Wind und Wetter, ohne den Trost, Abends in einer Herberge Schirm und Obdach zu finden; oder wie ein Voltaire sagt: ohne diese tröstliche Aussicht schwimmen wir Alle in den Fluthen, haben unaufhörlich mit Wellen zu kämpfen, und keine Hoffnung, das Ufer je zu erreichen." An einer andern Stelle betont er ausdrücklich: „Ohne Religionsunterricht ist der Mensch ein reißendes Thier". 15) Heber die winzigen Erfolge, die wir bei diesem Unterricht selbst bei der größten Anstrengung und der Handhabung der besten pädagogischen Mittel erzielen, tröstet uns Mendelssohn im Allgemeinen, indem er sagt (Bd. II p. 252): „Es wird mir ein junger Mensch zur Erziehung anvertraut. Daß ich ihm nicht Engelsfähigkeiten beibringe, ist an und für sich mir weder zuzuschreiben, noch zuzu- ,5) Bekanntlich datiert die Entwickelung des j ü d i s ch e n Religionsunterrichts in Deutschland erst von der Zeit Mendelssohn s. Siehe Näheres hierüber in Maybaum's Methodik des jüdischen Religionsunterrichts. Breslau 1896 p. 1 u. ff.)

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