Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 8 (August 1898)
- Article
- Moses Mendelssohn als Pädagoge
- Date
- 1898-08-01
- Page
- 382 (sequence 12)
- Language
- German
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383 Im deutschen Reich. ES ist unbegreiflich, wie Ziller hier einen Gegensatz zwischen That und, Willen konstruieren kann. Im Judenthum paarte sich die sittliche Energie des Willens mit der praktischen Lebensführung. Den Zillerianern empfehlen wir die oben angeführte Schrift von L. Lazarus zum eingehenden Studium! In Bezug auf die Ethik des Judenthums herrschen überhaupt eigenartige Auffassungen. Mir liegt eine Broschüre vor „Ueber den Begriff des Sittlichen". Vortrag, gehalten auf der Allg. Konferenz der deutschen Sittlichkeits vereine zu Hamburg am 22. September 1897 von Prof. I-io. theol. Titius in Kiel. Darin wird pag. 9 von Israel als von einem „sittlich und religiös so hochstehenden Volke" gesprochen. Das ist ein objektives Urtheil; wir fügen noch hinzu, daß die hohe Stufe sittlich-religiöser Bildung durch das Verhalten zu Andersgläubigen am deutlichsten erkennbar wird, so lehrt das Judenthum: „Die Frommen und Guten allerVölker haben Antheil am ewigen Leben." Wie engherzig-dogmatisch ist dagegen die Auffassung bei Titius («. a. O. p. 14): „Nur aus der Seligkeit des mit Gott versöhntm Christen kann die volle Seligkeit quellen." Wie ganz anders Mendelssohn (Bd. II, p. 532): „In welcher glückseligen Welt würden wir leben, wenn alle Menschen die heiligen Wahrheiten annähmen und in Ausführung brächten, die die besten Christen und d i e b e st en Ju d en gemeinsam haben." Nach Mendelssohn (Bd. II, p. 372) gehört zur wahren Erfüllung unserer Pflichten zweierlei: Handlung und Gesinnung. Durch die Handlung geschieht das, was die Pflicht erfordert, und die Gesinnung macht, daß es aus der wahren Quelle komme, d. i. aus ersten Beweggründen geschehe. Dieser Auffassung kann sich jede Pädagogik anschließen. Wenn aber Schmid14) behauptet: „Wie die Jugend im Allgemeinen zur Humanität, Selbstherrschaft und Christlichkeit geführt werden soll, so soll insbesondere der Knabe ein ganzer Mann und das Mädchen ein ganzes Weib werden" oder kurz vorher: „Wer die Jugend erziehen will, muß ein ganzer Christ sein", so zeugt das von einer engherzigen, nichts weniger als humanen u) T. j. Philos. Pädagogik im Umriß. Erlangen 1858, p. 2*21.