Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 8 (August 1898)
- Article
- Moses Mendelssohn als Pädagoge
- Date
- 1898-08-01
- Page
- 381 (sequence 11)
- Language
- German
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Mendelssohn als Pädagoge. 881 Es ist deshalb der Zweck der Erziehung oder, um in der Herbart'schen Schulsprache zu sprechen, der Zucht, die Bildung eines sittlichen Charakters oder, wie Herbart sagt, Charakterstärke der Sittlichkeit. Wahre Sittlichkeit erwächst aus Einsicht und freier Selbstbestimmung, und dahin soll der Zögling gelangen, er soll Einsicht gewinnen in die sittlichen Ideen und danach seinem Wollen die bestimmte Richtung geben. Wichtig ist hierbei die tüchtige Persönlichkeit des Erziehers, die mehr werth ist, als alles Moralisieren. Das gute Beispiel erweckt Nacheiferung. „In jeder Theorie," bemerkt Mendelssohn, „dient das Beispiel nur zur Erläuterung und wird überflüssig, sobald wir den allgemeinen Satz begreifen; aber in der sittlichen Sphäre hat das Beispiel immer größern Nutzen als die Maxime. EL hat einen stärkeren Einfluß und den Beifall des Gemüths, weil es die Sinne rührt, die Einbildungskraft erschüttert." Je anschaulicher das Beispiel, desto befruchtender wirkt es auf den Zögling. „Vorstellung des Guten und Bösen sind Werkzeug für den Willen," sagt Mendelssohn (Bd. II, p. 394) im Geiste des Judenthums, das sich vorzugsweise an den Willen wendet und das von der Voraussetzung ausgeht, daß gut handeln besser ist, als andächtig schwärmen. Dieser Grundzug des Judenthums wird übrigens auch von christlichen Gelehrten hervorgehoben, so bemerkt Bahr (Symbolik des mosaischen Kultus I, 37): „Die mosaische Religion ist daher durch und durch ethisch, richtet sich durchaus an den Willen des Menschen."") Ziller (Allg. Pädagogik Leipzig 1884, p. 21 u. ff.) freilich polemisiert gegen das Judenthum, indem er bemerkt: „Nach der Ethik soll er (der Mensch) sich zum Ideal der Persönlichkeit erheben, und es ist das nicht ein Ideal des Wissens, wie bei den Alten und schon bei Sokrates, auch nicht ein Ideal des Thuns, wie im Judenthum und selbst bei Kant. Es ist ein I d e a l der Gesinnung, des Willens, das zuerst in der christlichen Lehre ausgebildet und Jahrhunderte lang von der Philosophie nicht seinem wah-en Sinne nach anerkannt worden ist." ls) Hierüber ausführlich L. Lazarus, „Zur Charakteristik der talmudischcn Ethik". Jahresbericht des jüd.-theol. Seminars, Breslau 1877. 29'