Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 8 (August 1898)
- Article
- Moses Mendelssohn als Pädagoge
- Date
- 1898-08-01
- Page
- 378 (sequence 8)
- Language
- German
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378 Im deutschen Reich. fachen und Beispiele, dann Abstraktionen und Prinzipien. Begriffe ohne Anschauung sind hohl, sagt Kant. Und Mendelssohn (a. a. O. Bd. I S. 330): „Alle unmittelbare sinnliche Erkenntniß, oder wie sie Andere nennen, alle anschauende Erkenntniß, es sei Empfindung der äußeren oder Wahmehmung der inneren Sinne, führt die höchste Ueberzeugung mit sich." Und in dem Vorwort zu den „Morgenstunden": „Ich bin der Meinung, daß man beim Studium der Philosophie, sowie bei Erlernung der Sprachen, mit dem Gebrauche den Anfang machen und mit der Regel endigen müffe." Mit aller Entschiedenheit wendet er sich gegen jeden geisttödtenden Formalismus, indem er sagt: „Wir lehren und unterrichten nur in Schriften, lernen die Natur und Menschen kennen, nur aus Schriften-. Der Lehrer auf dem Katheder liest seine geschriebenen Hefte ab. Alles ist todter Buchstabe, nirgends Geist der lebendigen Unterhaltung." Eine weitere didaktische Forderung lautet: vom Anschaulichen zum Begrifflichen fortschreiten, Zdeenverbindungen herbeiführen; es geschieht dies auf dem Wege des Nachdenkens, des Vertiefens oder, wie Mendelssohn sagt, des Meditierens. Zur Meditation gehört, bemerkt Mendelssohn (a. a. O. B. 1 p. 339 u. ff.), daß die Seele ihre Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand hefte, die Begriffe in ihre Merkmale zerlege und über ihre Verbindung nach den Gesetzen des Denkbaren nachdenke. Und weiterhin folgende treffende Bemerkung: „Der Eindruck des Gegenwärtigen muß weder zu stark, noch zu schwach, weder zu lebhaft, noch zu unkräftig sein, wenn die Seele sich, in der zum Meditieren glücklichen Lage, soll erhallen können." . Daß Mendelssohn ein begeisterter Freund der entwickelnden Methode, der sokratischen Lehrmethode, ist, zeigt er durch die darstellende Form seines „P h ä d o n". Nicht bloße Mittheilung, sondern Entwickelung des Entwickelungsfähigen führt zum wahren Wissen. Das Streben des Lehrers muß darauf gerichtet sein, die Aufmerksamkeit des Schülers einem Gegenstände zuzuwenden, und diese wird durch ein wichtiges Bildungsmoment erzeugt: das Interesse. Der Unterricht soll dem Schüler nicht einen todten Lernstoff übermitteln, sondern anregend wirken. Das ist das Hauptmerkmal eines erziehlichen Unterrichts. Das Kind muß durch