Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 8 (August 1898)
- Article
- Moses Mendelssohn als Pädagoge
- Date
- 1898-08-01
- Page
- 376 (sequence 6)
- Language
- German
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878 Zm deutschen Reich. dieses Zusammen unmöglich wäre." Ohne Causalität ist keine Substantialität?) Es giebt außer dem Vorstellen und Denken noch zwei Gruppen von psychischen Erscheinungen, die mit „Fühlen und Begehren" bezeichnet werden. Mendelssohn sagt (Bd. I, p. 352): „Man pflegt gewöhnlich das Vermögen der Seele in Erkenntnißvermögen und BegehmngSvermögen einzutheilen und die Empfindung der Lust und Unlust schon mit zum Begehrungsvermögen zu rechnen. Allein mich dünkt, zwischen dem Erkennen und Begehren liege das Billigen, der Beifall, das Wohlgefallen der Seele, welches noch eigentlich von Begierde weit entfernt ist.-Indessen scheint es mir schicklicher, dieses Wohlgefallen und Mißfallen der Seele, das zwar ein Keim der Begierde, aber noch nicht Begierde selbst ist, mit einem besonderen Namen zu benennen. — Ich werde es in der Folge Billigungsvermögen nennen." Es ist damit der Uebergang vom Erkennen zum Begehren vollzogen. Doch gebührt nicht Mendelssohn, sondern dem Kieler Professor Nicolaus Tetens (1736—1805) die Priorität in Bezug auf die Einführung der Lehre von den d r e i S e e l e n v erwögen in die Psychologie. Mendelssohn'» „Morgenstunden", worin er auf diesen Uebergang hinweist, erschienen 1785, Tetens Versuche über die menschliche Natur und ihre Entwickelung 1777 (vgl. Zeller a. a. O., p. 340). Diese Seelenvermögentheorie verwirft bekanntlich Herbart, indem er darauf hinweist, daß die Voraussetzung von Vermögen, die wir haben, die Psychologie in eine Mythologie verwandelt, von der zwar Niemand bekennen will, daß er im Ernste daran glaube, von der man aber gleichwohl die wichtigsten Untersuchungen dergestalt abhängig macht, daß nichts Klares davon übrig bleibt, wenn jene Grundlage weggenommen wird?) Nahm Leibniz an, daß keine Substanz ohne Thätigkeit zu denken sei, so sagte Mendelssohn: „Alles, was in der Seele vorgeht, ist Handlung; aber ihre vergangenen Wirkungen und Handlungen verursachen in den gegenwärtigen gewisse Veränderungen und Modifikationen, die man gar wohl zurückbleibende Spuren derselben *) Siehe Thilo, Geschichte der Philosophie, Cöthen 1881, Bd. II, p. 308. 8) Cfr. Herdart, Lehrbuch d. Psych. 8 3.