Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1898)
- Article
- Bensemer [Rezension]
- Date
- 1898-06-01
- Page
- 360 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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360 3m deutschen Reich. vorgekommen sein u. s. w.". Hiergegen wendet sich unser Verfasser in einer Fußnote (S. 10) mit den Worten: „Beweise für dies „sollen" weiß C. keine anzuführen." Nun finden sich aber an Ort und Stelle (Geschichte Polens Theil II S. 543 Anm. 1) diese Beweise in so ausführlicher Darlegung vor, daß sie keinem, der lesen kann, entgehen können; wie soll man dies verstehen? Schon mehr possierlich wirkt es, wenn Jekel-Bensemer als „auch Einer" sich Caro gegenüber ausspielt. Caro, gegenwärtig in Deutschland die bedeutendste Autorität für polnische Geschichte, der mit seiner glänzenden Darstellungsgabe auch die verwickeltsten Partien anziehend zu gestalten versteht — und Bensemer, der in den paar Kasimiren sich nicht zurecht zu finden vermag, dem der Athem ausgeht, wenn er zwei deutsche Sätze selbstständig zusammengefügt hat! Das pamphletistische Schriftchen will den Grundgedanken entwickeln, daß einzig und allein die Juden den Untergang und die Theilung Polens verschuldet haben. Dieser Behauptung stelle ich beispielsweise die folgende Thatsache entgegen, welche „der wohlunterrichtete Herr Büsching" in seiner Erdbeschreibung angiebt, und welche von Jekel (S. 157 Anm. 317) angeführt wird: „Die Güter und Einkünfte der katholischen Geistlichkeit sind sehr groß, denn sie machen fast zwey Dritttheile der Güter in Polen aus, wenn man diejenigen dazu nimmt, auf welche sie Gelder vorgeschossen haben (Wyderkaffy) und die sie unterpfändlich besitzen. Der König und die gesammten weltlichen Stände besitzen also nicht mehr als den dritten Theil der Ländereyen des Reichs, und bloß die Zehnten, welche die Klerisey zieht, nehmen nach Abzug der Unkosten den fünften Theil der Einkünfte aller Güter im Königreiche weg." Es scheinen also jedenfalls doch andere Faktoren den Zerfall des polnischen Reiches herbeigeführt zu haben. Wenn Jekel-Bensemer für diese allgemein bekannten und unzweifelhaften Thatsachen auch nicht ein einziges Wort findet, so muß man eben mit den Worten Goethes sich bescheiden, wenn er sagt: „Ueber das Niederträchtige — sich Niemand beklage, — denn es ist das Mächtige, — was man auch sage." Posen. Dr. Philipp Bloch. Bei der Redaktion ist eingegangen: Georg Wolff. Ist die antisemiti.sche Bewegung ein nationaler Freiheitskampf? 18. Auflage. Druck und Verlag der „Veltener Zeitung", Velten bei Berlin. 20 Pft