Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-06-01
- Page
- 331 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 33t «s auch in der konservativen Partei noch Männer giebt, vor denen jeder Antisemit mit Freuden den Hut ziehen kann rc." Ganz in Ahlwardt'scher Manier fügte dann das antisemitische Blatt hinzu, daß die Konservativen, welche nicht auf dem Standpunkt des Herrn Blümcke ständen, „niemals im Stande sein würden, sich zu einer Volkspartei zu entwickeln, da sie mit Rücksicht auf die bei den Juden verschuldeten hohen Beamten und Großgrundbesitzer vor jeder kräftigen Bekämpfung des internationalen Judenthums zurückschrecken". Daß ein hoher richterlicher Beamter wie Herr Blümcke ernstlich Neigung verspürt. Arm in Arm mit Ahlwardt und Sedlatzek sein Jahrhundert in die Schranken zu fordern, ist doch noch fraglich. Als der Hofprediger Stöcker einst Aehnliches mit dem Freiherrn von Hammerstein versuchen wollte, schlug dies Unterfangen für beide Kämpen übel genüg aus- Seltsamer Weise wurde Stöcker's aussichtslose Kandidatur im 6. Berliner Wahlkreise kürzlich öffentlich von dem jetzigen Redakteur der „Nordd. Allgem. Ztg.", Karl Trost, befürwortet, der einst im Verein mit Böckel in einer Volksversammlung auf das Verfehlte des Stöcker'schen Antisemitismus hingewiesen und die damalige Kaltstellung des Hofpredigers a. D. als Agitator bewirkt hat. Zu den eigenthümlichen Phasen der diesmaligen Reichstagswahlagitation gehörte auch, daß der antisemitische Leiter des Bundes der Landwirthe v o n P l o e tz in die ihm sicher ungewohnte Lage gerieth, sich als von der antisemitischen „S t a at s b ür g e r - Z t g." „verleumdet" hinstellen zu muffen. Dieses Blatt behauptet, man habe sich im Frühjahr 1895 in einer Versammlung von konser» vativen Abgeordneten im „Hotel Kronprinz" gegenseitig das Versprechen gegeben, unter gewissen Bedingungen einem dieser Mitglieder Heeresfolge zur Bildung einer neuen Partei zu leisten. Herr v. Ploetz behauptete dagegen, die etwa fünfundzwanzig Anwesenden hätten sich nur verpflichtet, stets den Wunsch zur Geltung zu bringen, daß die konservative Fraktion fest zusammenhalten möge. „Aus diesem Grunde", heißt es in einem Schreiben des Herrn von Plötz an die „Kreuz-Ztg." und die „Deutsche Tagesztg." wörtlich, „wollten wir vor allem die Autorität des Vorsitzenden Herrn v. Manteuffel stützen und dadurch dazu beitragen, daß andere unsere wirthschaftlichen Bestrebungen kreuzende Einflüffe nach Möglichkeit von ihm ferngehalten würden, und schließlich wollten wir mit aller Kraft dafür eintreten, daß die Fraktion geschloffen zusammenhielte und daß jede Trennung, auch nur einzelner Persönlichkeiten, vermieden würde". Unter den die wirthschaftspolitischen Bestrebungen des Bundes der Landwirthe kreuzenden Einflüssen sind offenbar die