Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-06-01
- Page
- 330 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316637-2316644--04112-2322640- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
330 Im deutschen Reich. die Herren konservativen Großgrundbesitzer, die Führer der Partei. Wo bleibt da die Handwerkerfreundlichkeit, wenn unser Handwerkerstand brodloS gemacht wird, wo bleibt der einstmals kräftige christlich-deutsche Kaufmannsstand, wenn besonders die konservativen Herren denselben wirthschaftlich schädigen? Wo bleiben die Stützen des Staates, ein gesunder Bauernstand, wenn von Jahr zu Jahr Bauernwirthschaften angekauft werden und der Großgrundbesitz sich vergrößert? Wir haben uns lange genug als Stimmvieh gebrauchen lassen, die Zeiten sind vorüber, wo wir den Großgrundbesitzern und ihrer Partei treue Gefolgschaft leisteten, nach den Wahlen uns aber überzeugen mußten, an guten Worten hat es nie gefehlt, aber an Thaten, daß unser Stand, der Mittelstand, unterstützt werde, um schließlich nicht ganz zu zerschellen." Die ehemaligen konservativen Gönner des Herrn Ahlwardt haben denn auch kein Blatt vor den Mund genommen. In einem von dem Rittergutsbesitzer von Wedemeyer- Schönrode versandten Wahlflugblatte wurde, von dem „Rektor aller Deutschen" gesagt: „Und einem Mann, welcher über die wirthschaftlichen Fragen und Gesetze, die unser Volk bewegen, so gänzlich unwissend ist, welcher mit seiner bisherigen Thätigkeit als Reichstagsabgeordneter nur erreicht hat, sich und seine Wähler lächerlich zu machen — dem sollten wir unsere Stimme geben? Leider hat Herr Ahlwardt ein gewisses Recht, uns Friedeberger für etwas beschränkt zu halten, denn wir haben ihn ja in den Reichstag gewählt. Aber das gebrannte Kind scheut das Feuer. Durch Erfahrung gewitzigt, sind wir so dumm denn doch nicht, auch jetzt noch blindlings alle die Ammenmärchen zu glauben, die Herr Ahlwardt uns vorerzählt." Der Aufruf der die Richtung Ahlwardt's und Sedlatzek's verfolgenden „Allgemeinen antisemitischen Vereinigung" gipfelte in der Parole: „Gegen Junker und Juden!" Daß aber mit dieser Losung nur geringe Erfolge zu erzielen waren, erhellt daraus, daß der antisemitische Kandidat für den Kreis Kolberg-Köslin, der bekannte Herausgeber des „Deutschen Generalanzeigers" Sedlatzek, diese Kandidatur zurückzog, um die Wahlunterstützungsgelder zu schonen und für die ihm angeblich in Schivelbein-Dramburg sowie in Danzig angetragenen Kandidaturen zu verwenden. Wenn er den Muth besaß, die Kandidatur in Danzig aufrecht zu erhalten, war dies anscheinend eine Folge der bekannten judenfeindlichen Aeußerungen des dortigen Verwaltungsgerichtsdirektors Blümcke. Zu diesen sagt das Blatt Sedlatzek's: „Sie lieferten den Beweis, 'daß