Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-06-01
- Page
- 329 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. SSS Hof-Verwaltungen Schächteinfchränkungen durchzusetzen, um dadurch den Weg zu späteren Schächtverboten nach sächsischem und schweizer Muster zu ebnen. In ähnlicher Weise wird die ganze Maulwurfsarbeit der Antisemiten betrieben. AuS dem langen Wahlaufruf der deutsch-sozialen Reformpartei lugt nur ein Zipfel der antisemitischen Fahne heraus. Von dem „Judenriecherei-Programm" der „Staatsbürger-Zeitung" war in diesem Aufruf nichts enthalten, aber es hieß darin: „Bei dem Neuabschluß von (Handels-) Verträgen mit auswärtigen Staaten werden wir zugleich unser Hausrecht gegen ausländische Juden zu wahren haben." Zur Entschuldigung für diese vorsichtige Zurückhaltung bemerkt die „Staatsbürger-Ztg.": „Der Wahlaufruf beschränkt sich hierauf, um die Bedingung scharf zu bezeichnen, unter der allein der deutsch-sozialen Reformpartei die Unterstützung anderer Kandidaten erst möglich ist. Nur diejenigen Kandidaten sollen auf die Unterstützung der Antisemiten rechnen dürfen, die dem Verbot der Einwanderung ausländischer Juden zustimmen." Von einem sozialdemokratischen Blatte wurde das antisemitische Programm in der folgenden treffenden Weise beurtheilt: „Durch völlig unreife Bestrebungen ist diese Partei der allgemeinen Lächerlichkeit bei allen ernsthaften Politikern verfallen. Aber man darf nicht nur über sie lachen, denn durch den Lärm, den sie macht, durch die großen Phrasen, mit denen sie rückständige Bevölkerungselemente benebelt, leistet sie der Reaktion werthvolle Dienste. Sie nennt sich „Reformpartei", ist aber thatsächlich eine der allerreaktionärsten Parteirichtungen. Von den Konservativen unterscheidet sie sich eigentlich nur dadurch, daß die Konservativen ihr reaktionäres Herz wenigstens einigermaßen offen zeigen, während die Antisemiten ihre volksfeindlichen Gelüste unter einem Schwall dröhnender Worte heuchlerisch zu verstecken 'bemüht'sind." Diese rückschrittliche Wirksamkeit der Antisemiten hinderte bisher die letzteren nie, nach echter Demagogenart es allen recht machen zu wollen, ohne darauf zu achten, daß dasjenige, was sie dem einen bieten, das dem andern gegebene Versprechen unerfüllbar macht. Bei dem Buhlen um die Gunst der breiten Volksschichten haben die „radikalen Antisemiten" wiederholt die Massen wider ihre ehemaligen konservativen Gönner gehetzt. In dem Flugblatte der antisemitischen Partei des Wahlkreises Friedeberg- Arnswalde wurde gesagt: „Wer zerreibt den kleinen Bauernstand, wer kauft von Konsumvereinen und Waareneinkaufshäusern, wer unterstützt das Pfuscherwesen im Handwerk? Einzig und allein