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Im deutschen Reich · 1898-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1898) · p. 315

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1898)
Article
Die Entgegnung Paulsen's
Date
1898-06-01
Page
315 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Die Entgegnung paulsen's. SIL Daß nun die Juden, meintPaulsm weiter, vonden europäischenVölkem, unter denen sie wohnen, als ein besonderes, fremdes Volk empfunden werden, ist jawohl nicht eine Sache des Meinens und Glaubens, sondern eine unbestreitbare Thatsache. Als Illustration wird im nächstfolgenden Satze auf die Vorgänge in Prag, Paris und Algier hingewiesen. Wenn Paulsen anstatt „Volk" Glaubensgemeinschaft gesetzt hätte, so wäre möglicherweise diese Ansicht wenigstens theilweise gerechtfertigt. Allerdings wäre auch hier der Ausdruck „fremd" nicht angebracht gewesen. Eine Glaubensgemeinschaft, deren Gründer die Gesetze einer ganzen Welt vorgeschrieben und aus deren Mitte der Stifter und die Apostel der Landeskirche hervorgegangen sind, kann kaum eine fremde genannt oder als solche betrachtet werden. Ein besonderes, fremdes „Volk" sind wir indessen überhaupt nicht, dazu fehlen die wesentlichen Merkmale, die unter dem Begriff Volk zusammengefaßt werden können. Wir bilden in keiner Weise ein Volk für uns. Unsere Sprache ist die deutsche Sprache, unsere Anschauungen, soweit sie nicht religiöser Statur sind, sind mit denen unserer deutschen Mitbürger identisch, unsere Erinnerungen, unsere tiefsten Neigungen knüpfen uns innig an das Land, das wir mit ganz demselben Recht unsere Heimath, unser Vaterland nennen wie Herr Paulsen und die anderen Antisemiten. Herr Paulsen protestiert allerdings gegen diesen Ausdruck, aber mit welchem Rechte? Was er wünscht und anstrebt, das ist doch die Vernichtung des Judenthums, das Aufgehen des reinen Monotheismus, dessen Träger wir allein noch heute sind, in die Lehre der Dreieinigkeit. Wir halten fest an den Ueberlieferungen, den Gesetzen, die die Vorsehung durch uns den Geschlechtern der Erde offenbart hat und die in ihren wesentlichsten Bestimmungen Gemeingut der Menschheit geworden sind. Wir können nach unserer tiefsten Ueberzeugung uns nicht zu den Lehren bekennen, die die christliche Kirche beinahe zwei Jahrtausende später aufstellte, wir bilden deshalb eine besondere Glaubensgemeinschaft. Die zivilisierten Nationen der Welt sind zur Ueberzeugung gelangt, daß die Unterschiede,

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