Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1898)
- Article
- Die Entgegnung Paulsen's
- Date
- 1898-06-01
- Page
- 314 (sequence 2)
- Language
- German
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314 Im deutschen Reich. fordert, ich nehme es an auf Grund einzelner Beobachtungen und auf Grund einer, apriorischen Betrachtung." Ich meine indessen, wenn ein Mann in der verantwortlichen Stellung des Herrn Paulsen seinen Mitbürgern falsche Beschuldigungen in'S Gesicht wirft, wenn er Angaben macht, die ihm als unrichtig nachgewiesen sind, wenn er Thatsachen angiebt, die einer richtigen Grundlage entbehrm, wenn er in Widersprüche sich verwickelt, die dem Leser sofort in die Augen springen, daß er dann einer Polemik nicht aus dem Wege gehen darf. Ist ihm nur daran gelegen, seine Leser zu überzeugen, so mag ihm dieses theilweise gelingen, denn einerseits findet er unter diesen eine Reihe von Gesinnungsgenossen, andererseits dringt sein Wort in Kreise, denen der Nachweis seiner vielen Jrrthümer und seiner unrichtigen und parteiischen Angaben nicht zu Gesicht kommt. Will er aber die Wahrheit erstreben, so ist es seine Pflicht, mit richtiger Kenntniß der Verhältnisse und Sachlage die Frage nochmals leidenschaftslos zu prüfen und die begangenen Jrrthümer einzugestehen. Wie in dem System der Ethik verlangt nun Paulsen in seinen Ausführungen in der „Deutschen Literaturzeitung" die vollständige Assimilierung der Juden durch die europäischen Nationen. Mit ganz demselben Rechte bestand allerdings auch Diocletian auf der vollständige Assimilierung der Judenchristen im römischen Reich, mit ganz demselben Recht bestanden auch Philipp von Spanien und seine Henker auf der Assimilierung der Juden und der christlichen Ketzer durch die allein seligmachende Kirche. Vielleicht nehmen dieselben noch einen idealeren Standpunkt ein. Sie wollten das Fleisch vernichten, damit die Seele in das Reich des ewigen Glückes gelange; unsere modernen Bekehrer wollen unsere Seele, unsere Ueberzeugung vernichten, damit der Körper gedeihe und theilnehme an allen Freuden und Auszeichnungen dieser Welt. Der königlichen Wissenschaft, deren Vertreter Herr. Paulsen ist, scheint es unwürdig, wenn er seiner Meinung in folgenden Worten Ausdruck giebt: „Denn es kommt hier nicht bloß darauf an, was man,ist und wofür man sich selbst hält, sondern auch daraus, wofür man von Anderen gehalten wird." Ich denke indessen, es kommt denjenigen zu, die sich ein unrichtiges Urtheil gebildet haben, dasselbe bei richtiger Erkenntniß zu ändern.