Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1898)
- Article
- Bericht der Rechtsschutzkommission
- Date
- 1898-06-01
- Page
- 300 (sequence 14)
- Language
- German
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300 Im deutschen Reich. hatten, der dortigen Gemeinde zugestellt, sie hat sich mit einem Rechtsanwalt itl Verbindung gesetzt und geltend gemacht, daß es sich hier um eine ausschließlich antisemitische Maßnahme handelt, für die die Gesetze eine Handhabe nicht bieten, und wir hoffen, daß dieser neueste Versuch ebenso mißlingen wird wie die übrigen Versuche. Zu Ende ist die Sache noch nicht. Anders liegt die Sache in Bayern. In Hof hat man bei den städtischen Behörden ein Schächt-Verbot durchgesetzt, und es schwebt jetzt ein Streit darüber, ob die Vorgesetzte Behörde im Aufsichtswege berechtigt ist, das Verbot zu beseitigen, oder ob ein Verwaltungsstrcitverfahren dazu nothwendig ist. 'Wir verfolgen diese juristische Streitfrage fortdauernd, und wir hoffen, unseren Verrinsmitgliedem bald Näheres darüber mittheilen zu können. Schließlich haben wir uns auch an katholische Behörden gewendet. Wir hatten Veranlassung, mit dem Erzbischof von StablewSki in Posen in Korrespondenz zu treten. Es erscheint nämlich in Posen ^seit einiger Zeit ein antisemitisches Blättchen, das etwa auf gleicher Stufe steht wie der hiesige „Deutsche Generalanzeiger", ein Blatt, das Skandal um jeden Preis macht. Dieses Blatt hatte eine frühere Verfügung eines verstorbenen Erzbischofs von 1837 ausgegraben, in der gesagt war, es sollten bei jüdischen Familien keine katholischen Dienstboten dienen; es wurde den katholischen Dienstboten, die diese Verfügung übertreten würden, in Aussicht gestellt, daß ihnen Beichte und Abendmahl verweigert würde, so daß also eine tiefgehende Entfremdung zwischen Katholiken und Juden in Posen offenbar beabsichtigt war. Uns schien es ganz unglaublich, daß heutzutage noch eine derartige kirchliche Verordnung zu Recht bestände, und wir haben den einfachsten und geradesten Weg gewählt und Seine Eminenz den Herrn Erzbischof direkt danach gefragt. Nun hat offenbar dieser hohe Kirchenfürst sich in einer sehr eigenthümlichen Lage befunden. Er wollte, wie es scheint, weder seine katholischen Schutzbefohlenen, noch seine deutschen Mitbürger und speziell die Juden dort vor den Kopf stoßen, und er ließ sich ein angesehenes Mitglied der jüdischen Gemeinde in Posen kommen, eröffnete diesem, daß es das Beste wäre, wenn man derartige Angriffe in einem so untergeordneten Geschäftsantisemitenblatt einfach todtschwiege, und er möchte uns das doch mittheilen. Wir