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Im deutschen Reich · 1898-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1898) · p. 297

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1898)
Article
Bericht der Rechtsschutzkommission
Date
1898-06-01
Page
297 (sequence 11)
Language
German
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Bericht der Rechtsschutzkommission. 297 an seinem Gutshofe angeschlagen hatte, in dem er Juden den Eingaiig in sein Gehöft verbot. Diese Eingabe tblieb zunächst ein halbes Jahr lang im Teltower Landrathsamt liegen. Wir schrieben endlich an die Potsdamer Regierung. daß röir ja wüßten, wie groß die Geschäftslast auf dem Teltower Landrathsamte fei, daß wir aber doch meinen sollten, nach sechs Monaten hätte man sich über unsere Eingabe schlüssig machen können. (Bravo!) Da kam die Antwort, daß man Herrn Spiekermann angewiesen habe, wenigstens die Unterschrift als „Gutsvorstand" von dem Plakat zu entfernen; denn als Gutsvorstand hätte der Mann kein Recht zu dem Plakat; ob er auch als Privatmann Juden empfange oder nicht, darüber feien ihm keine amtlichen Vorschriften zu machen. Wir haben uns bei diesem Bescheide nicht beruhigt, und von dem Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg haben wir Recht bekommen. Es wurde uns zugestanden, daß das' Plakat vollständig entfernt würde — nicht nur die Unterschrift, sondern überhaupt —, und wir können annehmen, daß die Macht der Gründe — nicht nur der juristischen, sondem auch der moralischen Gründe — durchgeschlagen hat, und daß der Oberpräsident eingesehen hat, es sei durchaus den öffentlichen Frieden gefährdend, wenn einem Juden angekündigt würde, er dürfe bei Strafe dort und dort nicht eintreten. Run ist die Sache weiter gegangen. Es haben sich Sensationsblätter der Sache bemächtigt; das „Kleine Journal" hat gesagt, auf dem Plakat habe gestanden: Juden und Hunden sei der Eintritt verboten. Es haben unangenehme Auftritte stattgefunden in einem Berliner Klub, und, nachdem man dem Hauptmann Spiekermann von allen Seiten zu erkennen gegeben hatte, er sei dort nicht gern gesehen, — haben wir im Januar gelesen, daß Hauptmann Spiekermann endlich dort ausgeschieden sei. (Bravo!) Vom märkischen Sande wende ichmichnachdem hessischen Paradiese der Antisemiten. Dort haben wir auch einen kleinen Erfolg zu verzeichnen gehabt. Es war uns gemeldet, worden, daß . ein Pastor den Religionsunterricht dazu gebraucht habe, dm Kindem nichts Geringeres mitzutheilen, als daß das Gesetzbuch der Juden, der Talmud, den Juden gestatte, die Christen zu betrügen. Es hatten sich dort schon Eltern solcher Zöglinge, die mit Schülern des antisemitischen Pastors in der Schule zusammen waren, darüber

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