Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1898)
- Article
- Bericht der Rechtsschutzkommission
- Date
- 1898-06-01
- Page
- 294 (sequence 8)
- Language
- German
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294 3m deutschen Reich gerissen und. über die Grenze spediert wurden, daß man alte Männer und Frauen, die> ihre Familien zu ernähren hatten, plötzlich wegschickte, die zu allem Unglück vielfach auch nach Rußland nicht hineinkommen konnten, weil sie andererseits auch nicht ihre russische Staatsangehörigkeit nachzuweisen in der Lage waren. Wir haben uns, obgleich wir nicht direkt um unsere Vermittelung gebeten waren, doch für verpflichtet gehalten, im Interesse der Humanität und im Interesse unserer Glaubensgemeinschaft Veranlassung zum Einschreiten zu nehmen, und haben uns an das Ministerium des Innern gewandt. Zu unserer Freude wurde uns ganz kurze Zeit darauf aus der Mitte der Synagogengemeinde und von Rabbinern die Nachricht, daß die Ausweisungen zurückgenommen seien. Wir haben zwar keinen direkten Bescheid bekommen — dazu hat sich das Ministerium des Innern nicht entschließen können —; aber wir zweifeln nicht, daß unsere Anregung zu diesem Erfolge beigetragen hat. (Bravo!) In ähnlicherWeise zufrieden können wirmitdem Entgegenkommen des hiesigen Polizeipräsidiums sein. Wir haben uns zweimal im Laufe der Berichtszeit an dasselbe gewendet mit Eingaben. Einmal, indem wir uns beim letzten Weihnachtsfeste an den Herrn Polizeipräsidenten wandten und ihn aufmerksam machten auf den Unfug der antisemitischen Weihnachtsflugblätter, die hier in der Friedrichstraße und Leipzigerstraße besonders vor großen Waarenhäusern vertheilt wurden. Wir untersuchten den Inhalt der verschiedenen Flugblätter und konnten zum Theil nichts darin finden, was gerade einen Verstoß gegen das Strafgesetzbuch enthielt, während wieder von einem Flugblatt, das von dem „Deutschen Generalanzeiger" herausgegeben wurde, den Juden Lug und Trug, Habsucht und Sünden aller Art vorgeworfen wurden und es den Deutschen zur Pflicht gemacht wurde, bei Juden nicht zu kaufen, namentlich nicht Weihnachtseinkäufe bei Juden zu machen. Wir ersuchten den Herrn Polizeipräsidenten, dieses Flugblatt zu verbieten und wiesen namentlich darauf hin, daß der „Generalanzeiger" angekündigt hätte, daß am letzten Sonntag vor Weihnachten, dem sogenannten goldenen Sonntag, nicht weniger als 50 000 von diesem Flugblatt unter, das Publikum geworfen werden sollten. Wir haben in diesem Falle ebenfalls die zufriedenstellende Mittheilung bekommen, daß diese Flugblätter von