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Im deutschen Reich · 1898-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1898) · p. 292

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1898)
Article
Bericht der Rechtsschutzkommission
Date
1898-06-01
Page
292 (sequence 6)
Language
German
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292 3«n deutschen Reich. Wir haben auch nichts gethan in Sachen des Knaben Burr. Es ist, wie Sie sich' vielleicht erinnern, ein Knabe ermordet worden, draußen in Rixdorf, und es' ist damals, da diese That — ich glaube vor zwei Jahren — um die Osterzeit passierte, wieder das Blutmärchen in einer Zeitung — übrigens untergeordneten Ranges — aufgetaucht. Nun wurden wir hier vor die große Frage gestellt, als was denn ein derartiges Vorgehen strafgesetzlich zu charakterisieren ist. Da der Fall absolut unaufgeklärt geblieben ist, und da auch die antisemitischen Zeitungen, die nicht dem alleruntergeordnetsten Range angehören, davon nicht Notiz nahmen, haben wir es dabei bewenden lasten, um uns von der Staatsanwaltschaft nicht einen Refus zu holen, und uns Vorbehalten, sobald dieser Mord aufgeklärt ist — und wir zweifeln nicht, daß er anders aufgeklärt werden muß, als die antisemitischen Zeitungen es behaupten — daß wir dann gegen die betreffenden Blätter noch Vorgehen werden. Zum Schluß will ich noch eine Sache erwähnen als die neueste, die uns auf diesem Gebiete vorgelegt worden ist. Es wurde uns von einem hiesigen Rabbiner die Mittheilung gemacht, daß in dem Cigarrengeschäft des Herrn Ahlwardt die neueste Nummer des „Deutschen Schwertes" aushing, und daß darin von einem Ritualmord die Rede sei. Wir haben dieses Blatt „Das Deutsche Schwert" uns kommen lasten und nicht eine Nachricht über einen neu geschehenen, sondern eine emstgemeinte allgemeine Untersuchung des Herm Ahlwardt über den Ursprung des Ritualmordes darin gefunden. Er behauptete darin, auf Gmnd seiner Untersuchungen ermittelt zu habm, daß die Sache sich zurückführen laste bis auf die Zeit der Pharaonen/ und daß in Egypten das Morden von Kindem gebräuchlich gewesen sei als Hausmittel gegen die Krätze. (Heiterkeit.) Sie werden verzeihen, wenn ich hier ganz deutsch so spreche, wie der Herr Ahlwardt es gethan hat. — Wir haben bei diesem Artikel nicht gefunden, daß es sich lohnte, damit die Behörden und die Staatsanwaltschaft zu behelligen. Wir meinen, daß der Herr Ahlwardt auch bei seinen früheren Verehrem nun nachgerade als das erkannt worden ist, was er ist, daß er schreiben kann, was er will, ohne daß wir uns vor dem Erfolge seiner Thätigkeit irgendwie zu fürchten hätten. (Sehr gut!)

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