Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1898)
- Article
- Bericht der Rechtsschutzkommission
- Date
- 1898-06-01
- Page
- 290 (sequence 4)
- Language
- German
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290 Im deutschen Reich. sehen, daß wir ihm auch nicht mit Erfolg hätten helfen können, denn der Mannest wegen, Unbefugter Veranstaltung einer Lotterie nachher bestraft worden. (Heiterkeit.) Wir haben uns ferner mit einer in Sportkreisen vielgenannten Persönlichkeit zu beschäftigen gehabt, der vorgeworfen wurde, sie dränge sich an hohe Herrschaften heran und sei nach ihrem Vor» leben doch durchaus nicht dazu geeignet. Es wurde in antisemitischen Zeitungen namentlich darüber gelärmt, daß sich solche Elemente in den edlen „deutschen" Sport hineinwagten, und daß es gerade ein Jude sein müffe, wie sich herausgestellt habe. Wir haben uns mit dem Herrn in Verbindung gesetzt und ihn gefragt, ob denn die üblen Dinge, die ihm da vorgeworfen würden, auf Wahrheit beruhten; wir wären bereit, ihm unfern Schutz zu gewähren. Er hat versprochen, zu uns zu kommen, — gekommen ist er nicht! Das ist eine Sache, die wir ad acta gelegt haben. Genaues wissen wir darüber nicht; der Mann soll gar nicht Jude sein. (Zuruf: Getauft!) Dann eine Frage, die durch alle Zeitungen ging, die Frage Professor Rosenthal in Erlangen. Sie wissen, daß dieser Herr in einem Kolleg eine Aeußerung gethan hatte, die von antisemitischer Seite als Mißachtung der christlichen Religion angesehen wurde, und daß der Herr Professor sogar in ein Strafverfahren verwickelt wurde. Wir haben auch in diesem Falle nichts thun können. Der Herr Professor Rosenthal, der zwar noch Jude ist und auch zu den jüdischen Gemeindesteuern beiträgt, hat bei einer früheren Gelegenheit, als man ihm seitens des Vorstandes der Gemeinde zu einem Freudentage gratulierte, ausdrücklich erklärt: er danke für den Glückwunsch, bitte aber die jüdische Gemeinde, ihn nicht mehr als den ihrigen anzusehen, er rechne sich nicht mehr dazu, wenn er auch noch die Steuern zahlte. Für den Mann uns einzulegen, hatten wir keine Veranlassung. (Sehr richtig!) Dann der Fall eines jüdischen Soldaten. Ein Herr erzählte in der „Frankfurter Zeitung", daß er Zeuge gewesen sei, wie ein Hauptmann einen jüdischen Soldaten zurücksetzte, wie er von Judenjungen und ähnlichem sprach. Es wurde das Regiment ermittelt, von welchem die Rede war — es war in der Zeitung, nicht genannt worden —; wir haben die Sache weiter verfolgt.