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Im deutschen Reich · 1898-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1898) · p. 289

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1898)
Article
Bericht der Rechtsschutzkommission
Date
1898-06-01
Page
289 (sequence 3)
Language
German
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Bericht der Rechtsschutzkommisfion. 289 Wir haben uns aber durch diese Erfolge keineswegs täuschen lassen. Wir haben nicht geglaubt/'jeden Arttrag, der an uns herantrat, jede Anregung von irgend einer" Seite ohne weiteres befolgen zu müssen. Wir wissen sehr wohl, wie leicht das Interesse der Behörden ermüdet, wenn sie glauben, ohne zwingende Veranlassung in Anspruch-genommen zu werden. (Sehr richtig!) Deshalb, meine Herren, sind wir vorsichtig gewesen mit unseren Anträgen, mit unseren Eingaben an Behörden und haben zurückgewiesen, was uns nicht recht der Mühe werth war, oder was wir aus Gründen des Taktes oder auch aus politischen Gründen lieber der Vergessenheit anheimfallen lassen wollten. (Sehr richtig!) Meine Herren! Ich will meinen Vortrag beginnen mit einer kleinen Blüthenlese von solchen Dingen, die. wir den Behörden überhaupt nicht unterbreitet haben. Sie werden sehen, daß es Dinge der verschiedensten, buntscheckigsten Art gewesen sind, die uns da zur Prüfung Vorlagen; wir haben keine Mühe gescheut, jeder Anregung eine gewissenhafte Prüfung folgen zu lassen. Aber auch da, wo wir schließlich nichts veranlaßten, hoffen wir auf Ihre Zustimmung. Es ist da kürzlich an uns aus einer sächsischen Stadt seitens eines jüdischen Kaufmanns das Ersuchen ergangen, ihn gegen einen Angriff zu schützen, der über die Art und Weise seines Geschäftsbetriebes gegen ihn gerichtet war. Der Mann war auf den Gedanken gekommen, im November vorigen Jahres eine Lotterie zu veranstalten in folgender Weise. Er hatte bekannt gemacht, an einem bestimmten Tage eines Mgnats würden alle Leute umsonst bei ihm einkaufen. Das sollte nämlich in der Weise vor sich gehen, daß er am Schluffe des Monats bestimmen würde, welcher Tag dieser Gratistag sei, und alle an dem Tage bezahlten Preise wollte er den Leuten zurückzahlen. Die Sache ist jedenfalls originell, und er wird viele Käufer gehabt haben. Aber die Antisemiten, die in Sachsen nicht besonders rar sind, bemächtigten sich der Sache, schlugen ungeheuren Lärm in den Zeitungen, in Vereinen u. s. w., und namentlich schimpften sie über diese jüdische Geschästsgebahrung. Der Mann wandte sich an uns, was er thun sollte. Wir haben unsere Hülfe nicht gewährt, weil diese Art des Wettbewerbs uns in der That nicht ganz vorwurfsfrei schien. Und wir haben aus den Zeitungen ge- 22*

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