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Im deutschen Reich · 1898-05-01 · Heft 5 (Mai 1898) · p. 275

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 5 (Mai 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-05-01
Page
275 (sequence 3)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 275 sächlich sei der Antrag Liebermann der erste Schritt auf einer abschüssigen Bahn, und die Antisemiten wüßten Alles zu fruktifizirren, was ihr Streben fördere, den Eid konfessionell zu gestalten, di« jüdischen Richter zu verdrängen und den alten Judeneid wieder einzuführen, der vielleicht bei den legislatorischen Grundsätzen des Mittel« alterS eine gewisse Berechtigung gehabt habe, aber mit den Prinzipien der modernen Gesetzgebung im schroffsten Widerspruch stehe. Die ausführlichen Mittheilungen des Vortragenden über die schimpflichen Formen des alten Judeneides erregten ebenso wie die rabbinischen Gutachten aus alter und neuer Zeit über den Eid der Juden bei allen Anwesenden daS größte Interesse. Der Redner führte weiter aus, daß, sobald der Gerichtssaal zu einem Bekenntnißsaal gemacht werde, der Unterschied des Bekenntnisses sofort auf das Schärfste hervortreten und Hie Gleichberechtigung der Bekenner aller Religionen untergraben werden würde. Wenn der Richter gesetzlich gezwungen würde, «ine konfessionelle Eidesformel dem zu Vereidigenden vorzusprechen, dann dürste nicht nur der jüdische Richter unmöglich, sondern die religiöse Ueberzeugung" jedes Richters der peinlichsten Prüfung unterworfen werden. Derartige Bestrebungen mit allen gesetzlichen Mitteln zu bekämpfen, sei dringend geboten, sei eine Pflicht nicht nur der Juden, sondern viel weiterer Kreise. Die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens aller religiösen Richtungen müßten aber auS solchen gegnerischen Bestrebungen, wie sie sich bei dem „konfessionellen Eid" bekunden, die Lehre ziehen, daß sie sich nicht auf das Wohlwollen der staatlichen Behörden und einzelnen Parteien verlassen dürfen, sondern fest zusammenstehen müssen zur Vertheidigung ihrer bedrohten Rechte und mühsam errungenen Kulturfortschritte. — Dem lebhaften Beifall aller Anwesenden gab sodann der Herr Vorsitzende noch beredten Ausdruck, indem er die hohe aktuelle Bedeutung der erörterten Fragen betonte. Auf seine Frage, welche Aussichten die bei dem Anträge Salisch und Genossen an's Licht getretenen Bestrebungen hätten, erwiderte Herr Rechtsanwalt Rudolf Hahn, daß dieselben, nach den entschiedenen Aeußerungen des Staatssekretärs Nieberding zu urtheilen, bei dem Bundesrathe keine Förderung finden, daß die Antisemiten aber damit sehr bald wieder kommen würden. Herr Rechtsanwalt Dr. Lövinson kennzeichnet« die Stellung des Centralvereins-Vorstandeü zu der Frage, indem er bemerkte, daß der Vorstand sofort den Antrag Liebermann als einen gegen die Gleich« berechtigung geführten Streich angesehen, sich aber darauf beschränkt habe, das auf die Angelegenheit bezügliche Material zu sammeln, weil er von der Ueberzeugung der Unausführbarkeit derartiger Pläne

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