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Im deutschen Reich · 1898-05-01 · Heft 5 (Mai 1898) · p. 276

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 5 (Mai 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-05-01
Page
276 (sequence 4)
Language
German
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276 Im Deutschen Reich. in einem Staate mit religiös-gemischter Bevölkerung fest durchdrungen war. Zweifellos hege die Regierung die Absicht, eS bei dem jetzigen Rechtszustand zu belassen und nach wie vor denjenigen, welche ihre Konfession bei der Eidesleistung zum Ausdruck bringen wollen, einen .bezüglichen Zusatz zur Eidesformel zu gestatten. Alle weitergehenden Bestrebungen der Antisemiten dürften aussichtslos sein. — Dagegen wandte Herr Wohlberg ein, daß es doch wohl von dem Ausfall der bevorstehenden Wahlen abhängen dürste, wie sich die Regierung in der nächstenReichstagssession diesen auch vom Centrum getheiltenWünschen gegenüber verhalten werde. Im Verlaufe der weiteren Debatte führte Herr Dr. Wiesenthal aus, daß nicht nur die Debatten über die Eidesformel, sondern auch der bekannte Assefsoren-Paragraph, der Ansturm gegen die großen Waarenhäuser,' die Erörterungen über jüdische Sanitäts-Offiziere u. A. m. Sturmsignale seien, die von den Juden nicht unbeachtet bleiben, sondern sie zur Wachsamkeit und entschlossenen Abwehr veranlassen mühten. Denen, die ihren Edelsinn nur durch Wohlthätigkeitsakte bekunden, möchte man in solcher Kampfzeit zurufen: „Etwas mehr Dampf!" Herr Rechtsanwalt Dr. Lövinson betonte, daß der Vorstand keineswegs die Bedeutung der bevorstehenden Wahlen für die berührten Fragen verkenne, es aber dem persönlichen Gefühl des Einzelnen überlassen müsse, welcher Partei er sich zugeselle. Der Vorstand könne nur die Losung ausgeben, daß niemand am Wahltage zu Hause oder müßig bleiben dürfe, wo die Wahl eines Kandidaten mit antisemitischen Neigungen in Frage stehe. Der Redner besprach hierauf die Stellung der Sozialdemokratie zur Judensrage und die kürzlich von Max Nordau in einer Zionisten-Versammlung gehaltene Rede. Wenn der Zionismus sich darauf beschränke, für heimathlose Glaubensgenossen eine Zufluchtsstätte zu schaffen, so richte sich seine Spitze nicht gegen unsere Bestrebungen. Herr Dr. Wiesenthal schloß dann die Versammlung mit herzlichen Dankworten. Ai L,

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