Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-05-01
- Page
- 263 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschar!. 263 «inen „daS Judenthum in der Sozialdemokratie" überschriebenen Artikel des „Westfälischen Merkur" ab, in welchem eine ganze Anzahl Namen angeblicher jüdischer Führer der Sozialdemokratie aufgesührt wurden, von denen sich aber bei genauerer Prüfung herausstellte, daß sie weder dem Bekenntniß noch der Abstammung nach Juden waren oder überhaupt niemals in der sozialdemokratischen Bewegung vorgekommen sind. Um das Lieblingsthema weiter auszubeuten, wurde dann von antisemitischer Seite die Flugschrift „Vor dem Sturm" wieder ausgegeben, deren Verfasser Dr. Bernhard Cohn vor längerer Zeit seinen Glaubensgenossen den Rath ertheilt hat, zur Sicherung ihrer Zukunft in das sozialdemokratische Lager überzugehen. In dieser Zeitschrift ist daS erwähnte Buch bereits im April 1896 (Heft 2, Jahrgang 2, S. 190) abfällig besprochen und hinzugefügt worden: „Das Buch zeigt, daß der Antisemitismus auch in einzelnen Juden daS Bewußtsein erschüttern kann, daß man sich bei Ausübung deä Staatsbürgerrechts von nichts Anderem, als von der Liebe zum Vaterlande leiten lassen darf." Nur in einzelnen Juden haben die antisemitischen Hetzereien eine solche Verbitterung erzeugt; weit schlimmere Folgen hatten diese Wühlereien aber in weiten nichtjüdischen Kreisen durch die Untergrabung des Rechtsgefühls, des Gehorsams gegen die Obrigkeit und der Verfassungstreue. Die vorerwähnten Aeußerungen des Danziger Verwaltungsgerichtsdirektors lassen ernstlich befürchten, daß durch solche Hetzereien sogar bei einzelnen hohen Beamten die landesgesetzlichen Vorschriften in Vergessenheit gerathen sind, „wonach Beamte sich an Vereinen, die den b este h end en verfassungsmäßigen Zustand zu untergraben suchen, sich nicht betheiligen sollen". (Circ.-Erlaß vom 10. April u. 11. Mai 1850, M. - Bl. S. 96 und 122.) Wo der Staat „seinen einzigen Feind" zu suchen hat, kann unbefangenen Beobachtern kaum noch zweifelhaft sein. Von dieser Einsicht durchdrungen erwies sich der Verfasser eines am 27. April in der „Köln. Ztg." veröffentlichten Artikels „Zu den Wahlen", in dem er erklärte: „Wir glauben, daß sich die Menschen nur dann als Söhne eines Volkes vertragen, wenn sie ihre Anschauung wechselseitig kennen und verstehen lernen. Wir beanspruchen für jedes Geschlecht der Menschen das Recht, mit den höchsten Problemen der Menschheit zu ringen. Wir werden also die deutsche Geistesfreiheit gegen jede Anfechtung eines unduldsamen Fanatismus vertheidigen. Die großenKonfessionen aber, der Katholizismus, der Protestantismus, das Judenthum, haben die hohe Aufgabe, in edlem Wetteifer die menschlichen Schwächen zu bekämpfen, indem sie Charakter, Gesinnung