Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-05-01
- Page
- 262 (sequence 8)
- Language
- German
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2S2 2m deutschen Reich. mitten veranlaßte, ihm aber in solchen Kreisen, die bisher für Oswald Zimmermann stimmten, Anhänger gewonnen hat. So wenig demnach die Wahl eines konservativen Vertreters in Dresden in Bezug auf die Judenfrage bemerkenSwerthe Aenderungen Hervorrufen dürste, würde eS doch nicht bedeutungslos sein, wenn der GeschästSgenosse der antisemitischen Bilderbogen-Männer Glöß.und Bewer durch Verlust des Dresdner Mandats „ein todter Mann" würde. Das Organ Zimmermann's verherrlichte neuerdings in allen Tonarten den von Glöß am 70. Geburtstage des Königs Albert herausgegebenen Politischen Bilderbogen „Sein einziger Fein d", dessen Text, Judenthum und Sozialdemokratie verquickend, den König apostrophierte: „Ein Volk aus fremdem, altverfluchtem Land hat jenen Drachensamen mit geschickter Hand auf Deines Reiches Flur gesät." Unter der Masse der eingegangenen Festgaben ist dieses Hetzpoem wohl versehentlich mit angenommen und für dasselbe die mit den üblichen Dankesworten begleitete Empfangsbestätigung ertheilt worden, welche das Zimmerrnann'sche Blatt sofort als Reklame für den Glöß'schen Bilderbogen benutzte. Daß das sächsische Königspaar den Glößsschen Verleumdungen keinen Glauben schenkte, bewies der Empfang der Beglückwünschungs-Deputation der israelitischen Religionsgemeinden Sachsens. Auf die Ansprache des Rabbiners Dr. Winter erwiderte König Albert, er erblicke in der Betheiligung der israelitischen Kultusgemeinden an seinem Jubelfeste einen erneuten Beweis der Treue, den er seitens der Israeliten auch bei anderen Gelegenheiten erfahren habe. Der König ersuchte die Deputation, diesen Dank auch den Gemeinden zu überbringen. Sämmtliche Mitglieder der Deputation waren zur Königlichen Tafel und zur Galavorstellung im Hoftheater, der erste Vorsteher der Dresdner Gemeinde, Adolf Salzburg, auch zu dem Ball im Königlichen Schlosse eingeladen. Nach der Tafel hielten die Majestäten Cercle, wobei die Königin den Rabbiner Dr. Winter durch eine Ansprache auszeichnete und anerkennende Worte für das Wirken der Rabbiner in ihren Gemeinden zum Ausdruck brachte. Eine Strophe in dem Glöß'schen Bilderbogen-Gedicht lautete: „Während Deine besten Bürger den fürchterlichen Feind zu bändigen suchen, gebot dem frevlen Treiben dieses Volkes noch niemals Einhalt — ein Rabbine r." Die huldvollen Worte der Königin Carola waren die beste Widerlegung dieser antisemitischen „frevlen" Verleumdung! Die angebliche Verquickung der Sozialdemokratie mit dem Judenthum bildet trotzdem aber nach wievor den dankbarsten Stoff der judenfeindlichen Blätter. Dieselben druckten kürzlich' fast ausnahmslos