Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-05-01
- Page
- 261 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 261 der HandelundGewerbet reibenden" sagte die „Voss. Ztg.": „Die Wortführer dieses Bundes machen sich chatsächlich zu Helfershelfern des Antisemitismus. Die neuen Helfershelfer werden bald genug in dem reinen Antisemitismus, dessen Geschäfte sie bewußt oder unbewußt besorgen, aufgehen." In einer konservativ-antisemitischen VertrauenSmänner-Versammlung des 3. Berliner Reichstagswahlkreises, in welcher kürzlich der Leiter der „Staatsbürger-Zeitung" Dr. B a ch l e r als Kandidat aufgestellt wurde, sagte man von ihm, er sei der einzige Mann, der diesen Kreis, in dem die jüdischen Ramschbazare eine verheerende Wirkung geübt hätten, den Sozialdemokraten entreißen könne, weil er dem zumeist in Judenhänden befindlichen Großkapital entgegengetreten sei. Als Herrn Dr. Bachler im Oktober 1892 öffentlich vorgeworfen wurde, daß er die von ihm im redaktionellen Theil beschimpften jüdischen Geschäfte im Jnseratentheile seines Blattes empfehlen lasse, erklärte dieser „Bekämpfte des Mammonismus", die Annoncenfrage sei eine Existenzfrage; seine Zeitung werde auch Annoncen von Juden nach wie vor aufnehmen; er sehe.nicht ein, weshalb man nicht das von Juden gebrachte Geld annehmen solle. — Die Parteigänger der Antisemiten scheinen ähnliche Grundsätze nicht zu genieren; diese Grundsatzlosigkeit vieler Judengegner erklärt die Möglichkeit der Kandidaturen von Männern wie Ahlwardt und Sedlatzek hinreichend und läßt immerhin unliebsame Überraschungen bei dem Wahlkampfe befürchten. Daß einzelne Gegner der Juden diesem Kampfe auch mit bangen Gefühlen entgegengehen, beweist eine Aeußerung Ahlwardt's in einer am 28. April in Woldenberg abgehaltenen Versammlung. Dort bat der „Rektor aller Deutschen" inständig, ihn doch wiederzuwählen, damit er seine „Mission" weiterführen könne; denn werde er nicht wiedergewählt, so habe er seine Rolle ausgespielt und sei ein „todter Mann". Auch der Herausgeber der antisemitischen „Deutschen Wacht", Oswald Zimmermann, der bisher neben Liebermann von Sonnenberg als Führer der deutsch-sozialen Reformpartei eine wichtige Rolle spielte, sieht sein Dresdner Reichstagsmandat ernstlich bedroht, weshalb er gleichzeitig in Wetzlar-Altenkirchen kandidiert. In Dresden-Altstadt wurde als Reichstagskandidat von einer besonderen Vereinigung der namentlich in turnerischen Kreisen sehr beliebte Gymnasial-Oberlehrer Professor Dr. Weidenbach aufgestellt, der erklärte, für den Fall seiner Wahl der konservativen Partei sich anschließen zu wollen. In einer vor längerer Zeit von ihm gehaltenen Festrede hat Dr. Weidenbach einmal eine antisemitische Aeußerung gethan, welche damals einen öffentlichen Protest der angesehensten Dresdner Js