Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-05-01
- Page
- 260 (sequence 6)
- Language
- German
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260 Im deutschen Reich. dann so wenig geschickt revoziert, noch eigenthümlicher« Gedanken wachriefe. „Derartige Beamte", schrieb nach dieser Erklärung die „National-Ztg.", „sollte man in minder wichtigen Stellungen verwenden". Die „Volks-Ztg." bemerkt aber hierzu: „Das ist noch zu wenig verlangt." Die Konservativen werden sich für einen solchen ihre Sache sicher nicht fördernden Parteigenossen um so weniger ereifern, als sie in vielen Orten mit den radikalen Antisemiten einen harten Kampf zu bestehen haben. An einzelnen Stellen gestaltet sich dieser „Strauß" freilich zu einem „lustigen Krieg". Im Wahlkreise Neustettin wurden z. B. die Einwohner durch ein. vertrauliches Schreiben mit der Unterschrift „Der Vorstand des konservativen Vereins. I. A.: Snethlage. Zinzow" aufgefordert, gegen die Antisemiten Förster und v. Mosch eine „Eegenagitation" einzuleiten und den Ausführungen dieser Redner in deren Versammlungen entgegenzutreten. „Es braucht dies gar nicht," so heißt es wörtlich in jenem Schreiben, „in langen, wohlgesetzten Reden zu geschehen; vielmehr werden wenige kräftige, allgemein verständliche Worte, wie sie der eigenen Redeweise und dem Standpunkt der Zuhörer entsprechen, häufig viel wirksamer sem. Ferner werden Sie sich einen festen Kern zuverlässiger Männer sichern müssen, der Ihren und sonstiger Freunde Ausführungen kräftig und laut Beifall spendet, dagegen etwaige Beifallskundgebungen für unsere Gegner hindert und stört. Baare Auslagen, die Sie aus diesem Anläße haben sollten (event. auch für Freibier rc.), sind wir bereit, Ihnen zu erstatten, und bitten zutreffenden Falles um deren Angabe." Ein vertrauliches Schreiben der Antisemiten an ihre Parteigenoffen ist zwar nicht bekannt geworden, aber über ihre Kampfesweise besteht ohnehin kein Zweifel. Als z. B. Liebermann von Sonnenberg am 1. Mai in Schönfließ i. d. Neumark die Wahl des antisemitischen Kandidaten, des Berliner Fuhrherrn Emil Bork, empfahl, versicherte er, der Kandidat der konservativen Partei, Herr v. Levetzow, habe ihm persönlich gesagt, daß er der Politik müde sei und nur gezwungener Weise als Kandidat bei der Reichstagswahl auftrete, um den Wahlkreis seiner Partei zu erhalten, die hier viel versäumt habe. Daß der dem Hause Rudolf Herzog verpflichtete Abg. Liebermann von Sonnenberg sich durch andere „gewagte" Behauptungen als Kämpfer gegen die großen Waarenhäuser eine Verurtheilung zuzog, ist eine Ironie der Thatsachen. Freilich hat der Kampf gegen die Großbazare und die Großindustrie auch ' noch andere Leute auf Irrwege geleitet. Von einer Versammlung des sogenannten „Bundes