Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-05-01
- Page
- 259 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316637-2316643--03988-2322464- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 259 Ahlw ardt beneid«» könnte". In den „Mittheilungen de- Vereins zur Abwehr deS Antisemitismus" wurde von Herrn Blümke gesagt: „Wir haben hier «inen Mann in hoher Stellung, den sein Bildungsgrad nicht hindert, in Dingen mitzusprechen, von denen er nicht nur nichts versteht, sondern in denen er eine geradezu klägliche Unwissenheit zeigt. Er polemisiert in einer Versammlung wie der erste beste Radauantisemit. Daß ein solcher Mann in der konservativen Partei überhaupt eine Rolle spielen kann, ist für diese bezeichnend." In den weitesten Kreisen dürste die Ueberzeugung verbreitet sein, daß das allgemeine Rechtsgefühl empfindlich darunter leiden muß, wenn richterliche Beamten sich nicht nur öffentlich in Widerspruch. mit der Verfassung setzen, sondern auch durch solche Aeußerungen, wie sie Herr Blümke öffentlich gewagt, Zweifel an ihrer Unparteilichkeit und Bildung wachrufen. Die Belehrungen, welche Herrn Blümke über „die Juden als ©olbaten" bereits in der Versammlung selbst, sowie in der „Danziger Zeitung" zu Theil geworden sind, dürsten thatsächlich seine Stellung in Danzig zu einer unhaltbaren gemacht haben. In dieser Crkenntniß hat er in der „Danziger Allg. Ztg." eine Erklärung veröffentlicht, in der er sagte: „Aus einer zu meiner Kenntniß gelangten Broschüre „Die Juden als Soldaten" habe ich ersehen, daß auch jüdische Soldaten an dem Kriege 1870/71 sich betheiligt haben. Indem ich hiervon gern Akt genommen, berichtige ich meine aus persönlicher Antheilnahme an dem Kriege 1870/71 beruhende und in Nummer 10O dieser Zeitung aus Anlaß einer konservativen Wählerversammlung wiedergegebene gegenseitige Annahme, sowie die aus dem Alten Testamente herbeigezogene Schlußfolgerung „des Unbrauchbarseins der Juden zum Soldaten". Es hat mir bei jenem Vorfall überhaupt fern gelegen, den zu unserem Vaterlande, zu unserer Dynastie und zu unserer nationalen Institution haltenden Theil der Juden angreifen oder verletzen zu wollen. Ich habe nur meiner Entrüstung Ausdruck geben wollen, daß die Sozialdemokratie hauptsächlich von Juden geleitet und durch jüdische Geldmittel genährt wird." Herr Blümke hat ein sehr schwaches Gedächtniß; offenbar hat er vergessen, daß er in der Wahlversammlung ausdrücklich nicht die Sozialdemokraten, sondern die Juden für den „größten Feind der Deutschen" erklärt hat. Daß er den Worten des Generals von Reibnitz erst Glauben schenkte, nachdem er die Bestätigung in einer ihnen übermittelten Broschüre gefunden, würde schon eigenthümlich berühren, wenn nicht die Thatsache, daß ein hoher richterlicher Beamter sich in die Lage bringt, revozieren zu müssen und