Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-05-01
- Page
- 257 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 257 habe, als sich der dem Bunde der Landwirthe angehörende Mg. von Christen darüber beklagte, daß der Bund seine Kandidatur in Eschwege- Schmalkalden zu Gunsten des antisemitischen Pfarrers JSkraut bekämpf«. Vor Kurzem verbreitete der „Hann. Courier" dis Behauptung, der Vorsitzende des Bundes der Landwirthe, v. P l o e tz, habe über den stark zur Fraktion Liebermann von Sonnenberg neigenden Direktor des Bundes, Dr. Diederich Hahn, geäußert: „Wenn ich den Menschen nur los werden könnte!" Als die „Deutsche Tageszeitung" eine derartige Aeußerung als erfunden bezeichnet«, schrieb der „Hann. Courier", er habe die noch weit derberen Worte des Herrn von Ploetz nur aus Höflichkeitsrücksichten noch etwas gemildert; der drastische Ausspruch sei tharsächlich gegenüber dem Landtagsabgeordneten Möller gefallen. Was Herrn von Ploetz zu der ärgerlichen Aeußerung über seinen mit den antisemitischen Parteiführern eng liirten Mitarbeiter Diederich Hahn veranlaßt hat, ist noch nicht völlig aufgeklärt. Wahrscheinlich, hat ihn außer der Beschwerde des Bundesmitgliedes von Christen dazu auch eine Verhandlung des sogenannten Elfer-Ausschusses bewogen, deren Veröffentlichung in der „Schles. Ztg." den „Reichsboten" zu der auffallenden Bemerkung veranlaßte, daß eine ähnliche Verhandlung dieses Ausfchuffes seinerzeit den Austritt Stöcker's aus der konservativen Partei zur Folge hatte. Wenn die antisemitische „Staatsbürger-Ztg." für diesen Fall den Anschluß zahlreicher Konservativen an einen von Herrn von Ploetz zu bildenden eigenen Fraktionsverband ankündigte, dürfte der Wunsch der Vater des Gedankens sein. Sollte aber selbst der Leiter des Bundes der Land wirthe seinen Mitarbeiter Diederich Hahn opfern, um nicht selbst das LooS Stöcker's zu theilen, so wäre er trotzdem noch keiner philosemitischen Regung verdächtig. Wie selbst solche konservativen Politiker, die jetzt in offener Fehde mit der deutsch-sozialen Reformpartei stehen, von dem antisemitischen Geiste durchtränkt sind, zeigt sich bei dem gegenwärtigen Wahlkampfe häufig genug. In einer am 28. April in Danzig abgehaltenen Wählerversammlung äußerte sich der Verwaltungsgerichtsdirektor B l ü m k e wie folgt: Er halte nicht die Sozialdemokratie, sondern die Juden für den größten Feind der Deutschen. Die Sozialdemokratie sei ja auch weiter nichts als eine jüdische Schöpfung. Er sei überzeugt, daß man sich mit den Sozialdemokraten, die ja auch Deutsche seien, werde verständigen können, sobald sie von den Juden befreit seien. Er möchte in dem Wahlaufruf eine prononcierte Stellungnahme der konservativen Partei in der Jndenfrage ent-