Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-05-01
- Page
- 256 (sequence 2)
- Language
- German
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256 Im deutschen Reich. die deutsch-sozial« Reformpartei in der ganzen verflossenen Reichstag».. Periode sich zu positiven 'politischen Leistungen unfähig gezeigt hat. Die Erkenntniß, daß die Gesammtheit durch die antisemitische Bewegung auf eine abschüssige Bahn gebracht worden ist, beginnt bei vielen zu dämmern, aber selbst die gründlichste Niederlage der deutschsozialen Reformpartei dürste noch nicht dem Antisemitismus ein Ende machen, weil sich das Gift zu tief eingeätzt hat und weil daS Geschwür, wenn es an der einen Stelle zurückginge, wahrscheinlich dann an anderen Stellen noch bösartiger wieder aufbrechen würde. Von wesentlicher Bedeutung für die bevorstehende Entscheidung wird die Haltung mancher landwirthschaftlicher Kreise sein, in welchen die antisemitische Saat einen kräftigen Nährboden fand. Deshalb erregte die von den meistens gut unterrichteten „Hamburger Nachrichten" verbreitete Mittheilung, „daß der Berliner Leiter des „Bundes der Landwirthe" mit den Antisemiten einen Vertrag auf gegenseitige Garantie des Besitzstandes geschlossen hätte", allgemeines Aufsehen. Das bekanntlich dem Fürsten Bismarck nahestehende Hamburger Blatt fügte dieser Mittheilung die Bemerkung hinzu: „Derartige Versuche einer Beeinflussung der Provinzialen durch die Berliner Leitung haben sich noch niemals für die Parteien als heilsam erwiesen. Im vorliegenden Falle kommt das erschwerende Moment hinzu, daß die überwiegende Majorität des Bundes der Landwirthe weit davon entfernt ist, die Ziele und die Agitationsweise des Antisemitismus zu billigen und sich zu eigen zu machen." Wie weit dieses Urtheil über die Stimmung in der Mehrheit des Bundes der Landwirthe zutrifft, läßt sich zur Zeit noch nicht ermessen, jedenfalls hat dasselbe das Organ des Bundes sehr peinlich berührt, da die „Deutsche Tageszeitung" sich beeilte, den angeblichen Wahlvertrag sofort in scharfen Worten in Abrede zu stellen. Daß dieses Dementi aber nicht in allen Kreisen Glauben fand, zeigte die folgende Aeußerung der ultramontanen „Germania": „Die Mittheilung wird von der „Deutschen Tagesztg." als „vollkommener Unsinn" und „von Anfang bis Ende erlogen" bezeichnet. Der Aufwand von Entrüstung kommt uns etwas sonderbar vor. Daß kein förmlicher Vertrag vorliegt, ist ja wohl glaublich; aber daß die Antisemiten und der Bund Hand in Hand arbeiten, wo immer sich Gelegenheit bietet, wird doch kaum geleugnet werden." Die „Hamburger Nachrichten" ergänzten bald darauf ihre Mittheilung durch die Angabe, daß Dr. Diederich Hahn sich selbst auf das Abkommen mit den Antisemiten berufen