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Im deutschen Reich · 1898-05-01 · Heft 5 (Mai 1898) · p. 249

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 5 (Mai 1898)
Article
Die Juden in England
Date
1898-05-01
Page
249 (sequence 3)
Language
German
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Die Juden in England. 249 sich nur sehr wenige Reform-Gemeinden entziehen. Aenderungen in der Liturgie, Anordnungen außergewöhnlicher Feier- oder Bettage, gehen stets von dem „Chief-Eabbi" aus und werden in dm verschiedenen englischen Gemeinden strmg befolgt. Kommt ein Schächter vom Festlande noch England, so findet er, wenn er auch mit den bestm Zeugnissen auswärtiger Rabbiner versehen ist, bei keiner Gemeinde Anstellung, bevor er nicht im Komitee des Ober- Rabbiners seine Prüfung bestanden hat. Wird eine neue Synagoge eröffnet, so würde es keiner Gemeinde in der Provinz einfallen, die Einweihungs-Feierlichkeit ohne die Gegenwart des Ober- Rabbiners vorzunehmen. Fast in jedem Sommer macht dieser geistliche Herr auch ohne spezielle Veranlassung eine Rundreise durch das Königreich, um sich mit den Verhältnissen der einzelnen Gemeinden bekannt zu machen und etwaige Streitigkeiten zu schlichten. Unter dem Vorsitze des Oberrabbiners Dr. Adler feierte am 7. Februar 1897 die jüdische historische Gesellschaft in London den Tag, an welchem für die Juden durch den wackeren Amsterdamer Rabbiner Manaffe ben Israel im Jahre 1655 von Cromwell das Recht erwirkt wurde, sich wieder in England niederzulassen. Der christliche Gelehrte Dr. GarnZtt vom British Museum, der bei dieser Feier zugegen war, bemerkte, daß diese Maßregel Cromwells zwar auf keine ernste Opposition gestoßen sei, daß er aber doch nicht gewagt habe, die Juden zu naturalisieren. Die ein Jahrhundert später im Jahre 1753 von der Regierung durchgesetzte „bill" (Gesetzentwurf), welche den Juden das Recht gab, sich naturalisieren zu lassen, erregte eine so heftige Opposition in der Bevölkerung, daß die Regierung gezwungen war, diese Bill zu widerrufen. So mächtig, sagte Dr. Garnött, war damals das Vorurtheil gegen die Juden noch im englischen Volke. Erst im neunzehnten Jahrhundert vollzog sich in dieser Beziehung eine Umwälzung, aber diese wurde wiederum durch dieFestigkeit der politischen Verhältnisse sehr erschwert. Roch in der Mitte des 19. Jahrhunderts wehrten sich mit Rücksicht auf die Unverletzlichkeit der alten englischen Verfassung viele gegen die Neuerungen, die ihnen mit dem christlichen Prinzip unvereinbar schienen und von denen sie fürchteten, daß sie das Fundament des britischen Staates erschüttern würden. Es bedurfte eines so entschlossenen Staatsmannes, wie Lord John Rüssel war.

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