Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1898)
- Article
- Die Juden in England
- Date
- 1898-05-01
- Page
- 250 (sequence 4)
- Language
- German
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250 Im deutschen Reich. eines in der Staatskunst und Beredsamkeit einzig dastehenden Gehülfen wie Gladstone, und anderer talentvoller Mitarbeiter, um im Dezember 1847 mit einer Majorität von 67 Stimmen die Bill durchzusetzen, „daß es zweckmäßig sei, alle bürgerlichen Beschränkungen aufzuheben, die gegenwärtig noch auf den der jüdischen Religion angehörenden Unterthanen Ihrer Majestät lasten". Diese Bill erlaubte dem von Bürgern Londons bereits gewählten Volksvertreter, dem Baron Rothschild, sich vor dem Speaker (Präsidenten) des Unterhauses als gewähltes Mitglied zu Präsentieren; da er aber den noch zu Recht bestehenden Eid „auf den wahren Glauben eines Christen" nicht leisten konnte, wurde ihm die Erlaubniß, einen Sitz im Parlamente einzunehmen, zunächst noch versagt. Es kostete einen mehrjährigen Kampf, bis endlich im Jahre 1858 die Jewisli Oath Bill (der Gesetzesvorschlag für den jüdischen Eid) auch von dem Hause der Lords angenommen wurde, sodaß in diesem Jahre der Baron L. N. Rothschild das erste Zlember of Parliament jüdischen Glaubens werden konnte. Die Stadt London hatte schon früher eine vorurtheilsfreie Gesinnung bekundet und bereits im Jahre 1831 den Juden das Bürgerrecht zugestanden. 1835 wurde D. Salomon zum Sheriff von London und Middlessex ernannt, zu einer Würde, die auch Moses Montefiore bekleidete, dem 1837 die Ritterwürde und 1846 der Titel eines Baronets verliehen wurde. Wenn auch der Kampf um die Zulassung jüdischer Bürger zum Parlament sich hartnäckiger gestaltete, so waren doch aufrichtige christlich-religiöse Gesinnungen bei den Gegnern der Maßregel maßgebend. Diese Gegner waren entfernt von der Schmähsucht moderner Antisemiten; selbst in ihren eifrigsten Debatten sprach sich doch Wohlwollen und Achtung für die Juden aus. Einer dieser Gegner, Lord Ashley, sagte im Laufe seiner Rede von den Juden: „Ich hoffe übrigens, daß nichts von dem, was ich gesagt habe, das hebräische Volk im Einzelnen oder im Ganzen beleidigen werde. Das würde mich tief betrüben, denn ich schäme mich nicht, zu gestehen, daß ich selbst den ärmsten Israeliten mit einer gewissen Ehrfurcht betrachte, weil ich in ihm einen Abkömmling des merkwürdigsten Volkes sehe, das jemals auf dem Schauplatz der Erde aufgetreten ist, und das berufen ist, noch eine edle Rolle in der Geschichte der Menschheit zu spielen. Mancher sieht in den Juden