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Im deutschen Reich · 1898-05-01 · Heft 5 (Mai 1898) · p. 243

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 5 (Mai 1898)
Article
Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
Date
1898-05-01
Page
243 (sequence 2)
Language
German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 348 Gegenkandidat im Meininger Wahlkreis auf, und geschah dies auch erfolglos, so verlor Lasker doch 1879 bei der Landtagswahl das feit 1873 innegehabte Mandat für Frankfurt a. M., fiel dann 1880 sowohl in Breslau wie in Magdeburg und blieb für die Zukunft ohne Landtags-Mandat. Ob auch der Antisemitismus eine politische Kombination der damaligen Zeit war? Bemerkenswerth ist jedenfalls, daß diese widerliche Erscheinung gerade damals zu Tage trat. LaSkerS Urtheil darüber zu seinem Freunde Berthold Auerbach lautete: „Was, wollen Sie einem Kranken einen Vorwurf daraus machen, daß er die Cholera hat? Auch das Antisemitenthum ist eine Epidemie, welche diese Leute befallen hat." Neben anderen traurigen Erfahrungen war ihm der Kummer Vorbehalten, die neue Wirthschaftspolitik mit Zustimmung eines Theils der nationalliberalen Partei zu voller Wirklichkeit werden zu sehen. Solche Schwenkung vermochte Lasker nicht mitzumachen. Er kämpfte am 21. und 23. Mai 1879 mit der wärmsten Hingabe gegen die Getreidezölle und wies darauf hin, daß der von dem Reichskanzler an die Landwirthfchaft gerichtete Appell, „um diese zum Bewußtsein zu bringen, welche ungemein schwere Ueberbürdung sie zu tragen habe", bei dieser unvergefien bleiben werde; immer werde es bei ihr heißen, die Landwirthschaft sei schwer überbürdet. Als die Zoll- und Steuerpolitik beim Petroleum angekommen war, ergriff ihn das Feuer tiefsten Unwillens, und mit einer Heftigkeit, die ihm sonst nicht eigen war, warf er am 5. Juli 1879 ein: „Sie brauchen die Petroleumsteuer, um ein Programm auszuführen, welches so viel Geld verschafft, daß die halbe Grundsteuer in einer bestimmten Weise ermäßigt werden kann. Ist es recht, daß sie auf die unzweifelhaft sehr weit greifenden Erwerbskreise bis hinunter auf die ärmsten Klaffen die Steuer werfen, um die Mittel dafür zu gewinnen, die besitzenden und steuerkräftigsten Klaffen zu entlasten?" Nichts desto weniger wurde der Petroleumzoll angenommen. Lasker schied im März 1880 aus der nationalliberalen Fraktion, deren Begründer und Führer er gewesen, und begründete diesen Schritt in einem Schreiben an die Wähler seines Kreises. Fortan gehörte er zur Gruppe der Sezessionisten, und auch hier hatte er an vielem hervorragenden Antheil, was dem

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