Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1898)
- Article
- Zu den Wahlen
- Date
- 1898-05-01
- Page
- 240 (sequence 6)
- Language
- German
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240 3m deutschen Reich. Amte- — wohl aber erwarten wir von ihm die Vertheidigung der Gleichberechtigung und der Ehre Mer Glaubensgenoffen mit größter Sachkenntniß und heiligstem Eifer, eine Vertheidigung, die zugleich der Verfassung und der Grundlage des Rechtsstaats gilt. Mögen unsere offenen und versteckten Gegner immerhin sagen, daß die Wahlkreise nicht zahlreich sind, in denen die Mehrzahl der Wähler eine unbedingt gerechte und verfassungsmäßige Anschauung auch den Juden gegenüber besitzt; soviel ist sicher: Es giebt noch solche Wahlkreise, und in diesen fehlen auch die geeigneten Kandidaten nicht. Ein Kandidat jüdischen Glaubens würde möglicherweise mit einem altbewährten Parteivertreter in Konkurrenz treten, und gerade unsere Glaubensgenossen mit der ihnen eigenen Gutherzigkeit und Pietät entschließen sich schwer, von einem langjährigen Vertreter sich abzuwenden. Wir meinen aber, daß jetzt höhere und heiligere Jntereffen in Frage kommen, denen die sonst gewiß anzuerkennenden Gefühlsneigungen nachstehen müssen. Wir sind auch überzeugt, daß jede Parteileitung das Gewicht unserer Gründe würdigen und den Eintritt frischer, kampfesmuthiger Kräfte mit Freuden begrüßen wird. Darum also fort mit allen Bedenken. Auf zum offenen Kampfe gegen jeden, der unsere Freiheit und unser Recht nicht anerkennt, für jeden, der sie zu vertheidigen bereit ist! Wir legen somit unseren Freunden und besonders unseren Mitgliedern folgende Stellungnahme zu den Wahlen an's Herz: 1. Enthalte sich niemand der Wah l! Das höchste Ehrenrecht jedes Bürgers ist auch seine höchste Pflicht. Wer aus mangelndem Selbstgefühl glaubt, andere für sich handeln lassen zu müssen, der hat noch nicht den Gedanken erfaßt, daß er gleichberechtigter Staatsbürger im Reiche ist. 2. Stimme niemand für eine Partei, welche Ausnahmegesetze irgend einer Art für nothwendig erklärt! Wir verdanken unsere Stellung im Staatsleben dem Grundsätze, daß jedermann vor dem Gesetze gleich sei. Wer überhaupt Ausnahmegesetze billigt, schreckt vor solchen gegen die Juden nicht zurück. 3. Stimme niemand für einen Kandidaten, der auch nur in der Hitze des Wahlkampfes