Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 4 (April 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-04-01
- Page
- 209 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 209 Gegenüberstellung von B. und dem Kaiser, so verliert man das Spiel und reizt den Letzteren. Ich hörte noch gestern, daß er ganz für die Kartellpolitik gewonnen ist. Was man meines Erachtens thun kann und muß, ist Folgendes: Prinzipiell wichtige Fragen, wie Fudenfrage, Martineum Harnack, Reichstagswahl im sechsten Wahlkreise, die gewiß mit einem Fiasko der anti-sozialdemokratischen Elemente schließt, muß man, ohne B. zu nennen, in der allerschärfsten Weise benutzen, um dem Kaiser den Eindruck zu machen, daß er in diesen Angelegenheiten nicht gut berathen ist, und ihm den Schluß auf B. überlassen. Man muß also rings um das politische Centrum resp. das Kartell Scheiterhaufen anzünden und sie hell auflodern lassen, den herrschenden Opportunismus in die Flammen werfen und dadurch die Lage beleuchten. Merkt der Kaiser, daß man zwischen ihm und B. Zwietracht säen «will, so stößt man ihn zurück. Nährt man in Dingen, wo er instinktiv auf unserer Seite steht, seine Unzufriedenheit, so stärkt man ihn prinzipiell, ohne persönlich zu 'reizen. Er hat kürzlich gesagt: „Sechs Monate will ich den Alten — B. — verschnaufen lassen, dann regiere ich selbst/' B. selber hat gemeint, daß er den Kaiser nicht in der Hand behält. Wir müssen also, ohne uns etwas 31t vergeben, doch behutsam sein. Ich möchte Sie buten, lassen Sie die Artikel jedenfalls bis zu Ihrer Rückkehr und einer gemeinsamen Besprechung. Die Stunde kommt schon, tit der wir den Aufsatz: „Es ist System darin" vom Stapel lassen. Ich gebe Ihnen völlig Recht, aber im Moment ist Schweigen — das heißt nur in diesem Punkt — Gold und Reden nicht einmal Silber.- Ihr getreuer Stöcker. Der Grundsatz: „Prinzipiell wichtige Fragen, wie die Judenfrage, muß man in der allerschärfsten Weise benutzen, um Eindruck zu machen", scheint heute noch für das Stöckerblatt „Volk", wie für die ehemals Hammerstein'sche „Kreuzzeitung" und ähnliche Blätter maßgebend zu sein. Neuerdings hat leider das bedauerliche Versehen eines Beamten des Magistrats zu R 0 g a s e n diesen Blättern einen sehr ergiebigen Stoff zu gehässigen Betrachtungen über die angebliche „herrschende Stellung der Juden in gewissen Landestheilen" geliefert. In den Kreisblättern von Wongrowitz und Kolmar stand folgende Anzeige: „Der am Freitag, den 8. April d. I., Hierselbst stattfindende Wochenmarkt wird mit Genehmigung des Bezirksausschuffes wegen des auf diesen Tag fallenden jüdischen Feiertags auf Mittwoch, den 6. April d. I., verlegt. Rogasen, den 31. März 1898. Der Magistrat, gez. Weise." Dieses auffallende Inserat veranlaßte die „Staatsbürger - Ztg." und die einen Abklatsch 15