Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 4 (April 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-04-01
- Page
- 208 (sequence 4)
- Language
- German
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208 3m deutschen Reich. stellen pflegt, stellte der Abg. Liebermann von Sonnender g in der dritten Lesung der Flottenvorlage ausdrücklich fest, daß seine Partei vollkommen einig sei, trotzdem von den zwölf Mitgliedern der Fraktion drei Mitglieder gegen die Marineverstärkung stimmten, ein Mitglied abwesend war, also nur acht für die Vorlage «intraten. Bei der Mandatenjagd und den Judenhetzen finden sich di« Mitglieder der deutsch-sozialen Reformpartei dann wieder zusammen. Ob es ihnen, wie Liebermann von Sonnenberg verkündet hat, bei den nächsten Wahlen gelingen wird, eine halbe Million Sttmmen zu „sammeln", also die Stimmenzahl von der vorigen Wahl nahezu zu verdoppeln, ist doch sehr fraglich, denn vor fünf Jahren wurden noch zahlreiche konservative Stimmen für antisemitische Kandidaten abgegeben. Wenn sie von einzelnen Wahlkreisen behaupten, daß sie zu ihrem „Besitzstand" gehören, so scheint dieser von den Konservativen nur ganz vereinzelt respektiert zu werden. Das Organ des konservativen Landesvereins im Königreich Sachsen „Vaterland" erklärte derartigen Ansprüchen der Fraktion Liebermann-Zimmermann gegenüber: „Dem Räuber garantiert man seinen Besitzstand nicht, man sucht ihm vielmehr das zu Unrecht erworbene Gut wieder abzunehmen." Daß Herr Hofprediger a. D. Stöcker, dem Grundsatz huldigt: „Thut nichts, der Jude wird verbrannt!" ist nichts Neues; daß es aber bei den Juden sein Bewenden nicht zu haben pflegt, beweist der berüchtigte „S ch e i t e r h a u f e n b r i e f", welcher anläßlich des Prozesses gegen den Redakteur Schwuchow in der Urtheilsbegründung zum ersten Male in seinem vollen Wortlaut veröffentlicht wurde. Das inter- «ssante Dokument lautet: Berlin, 14. August 1888. Lieber Hammerstein! Heute Morgen war ich in Ihrem Bureau, um meinem Aerger Lust zu machen und mich informieren zu lassen. Kropatschek sägte mir, daß Sie einige Artikel, welche das schnöde Spiel von Bismarck und Genossen mit dem Kaiser aufdecken, für zeitgemäß hielten. Darf ich Ihnen dagegen meine Anschauungen über das, was ich für richtig halte, darlegen? Ich glaube, daß im Augenblick Fürst B. den Kaiser vollkommen eingenommen hat, ganz besonders in Bezug auf das Kartell, das nun einmal Bismarck für die Grundlage seiner Politik und für ein ungemein großes Ereigniß ansieht. Will man dagegen die B.' s ch e n I n t r i g u e n seit der Waldersee- Versammluug ausspielen und zwar mit mehr oder weniger