Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 4 (April 1898)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1898-04-01
- Page
- 203 (sequence 5)
- Language
- German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekennntniffes. LOS Bestand und die Ehre ihrer Gemeinden, der Segen des großen Idealismus, der im Judenthum waltet. Inzwischen wuchs Lasker's Ansehen und das Vertrauen seiner Partei zu ihm, und immer deutlicher erwies er sich als Förderer und Stütze des liberalen Geistes, der alle Zweige des Staatslebens durchströmte. An allen liberalen Errungenschaften hatte Lasker hervorragenden Antheil, und mit Recht durste er am 20. November 1875 den Konservativen zurufen, daß er die Verantwortlichkeit für die zukünftigen Geschicke übernehme, die in der wirthschaftlichen Politik seit Errichtung des Reiches in'S Leben gerufen worden seien. Es war aber auch eine Periode reicher Anerkennung für Lasker, dem zwei deutsche Universitäten, Freiburg und Leipzig, das Ehren-Diplom als Doktor der Jurisprudenz und der Philosophie wegen seiner Verdienste um die Justiz- und die andern Einheitsgesetze des Reichs verliehen. Das Diplom der Universität Leipzig (im Mai 1873) rühmte ihn als „erfahrenen, beredten und ausdauernden, vom Beifall des gesammten deutschen Volkes begleiteten Fürsprecher eines durch die vereinten Kräfte der tüchtigsten Männer zu begründenden, für das ganze Vaterland gleichmäßig geltenden deutschen Gesetzbuches." Nachdem Lasker von monatelangem Nervenfieber, das ihn im Februar 1875 in Folge seiner übermäßigen Anstrengungen ergriffen, sich kaum erholt und seine parlamentarische Thätigkeit ausgenommen hatte; fand er für sich und seine Partei die Aufgabe vor, alles was in dem Jahrzehnt von 1865—1875 geschehen war, vor völliger Zerstörung zu retten. Die Gewerbeordnung, die Aktiengesetzgebung, die Preß- und Diskussionsfreiheit, die neue Handelspolitik, die Milde des Strafgesetzbuchs wurden Gegenstand des Angriffs; eine Revision der gesammten Gesetzgebung sollte eintreteN, verbunden mit der Auflage neuer Steuern, wie Börsen-, Tabaks-, Biersteuer u. s. w. Wiederum trat Lasker mit der an ihm bekannten Macht der Rede am 20. November 1875 zur Vertheidigung der liberalen Gesetzgebung auf. Scharf und überzeugend widerlegte er am 2. Dezember 1875 die Einwände gegen das Strafgesetzbuch, dem vorgeworfen wurde, daß es durch seine Milde die physische und moralische Rohheit vermehrt, die Autorität des Staats und der öffentlichen Gewalt, den Sinn für öffentliche Sitte und Ordnung herabgedrückt habe. Er griff bei Berathung