Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 4 (April 1898)
- Article
- Ehrenpflichten
- Date
- 1898-04-01
- Page
- 189 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Ehrenpflichten. 189 jenes Verfahren, das eine» freien Manne» umverth ist und Heuchler erzieht, die, des Charakters bar, ihn auch da nicht bewähren werden, wo er dem Diener des Staates besonder» nöthig sein wird? Und weiter giebt e» eine große Zahl von Leuten, die zwar von sich selbst die Charakterlosigkeit, sich taufen zu lasten, weit abweisen würden, die aber doch meinen: „Ja, Opportunitätsgründe sprechen dafür, und meine Elternpflicht gebietet es, meine Kinder vor denjenigen Angriffen zu wahren, denen ich, wenn auch völlig ungerechtfertigter Weise, mich ausgesetzt gesehen habe." Groß ist leider die Zahl derjenigen, die meinen, ihren Kindern einen Gefallen zu thun, wenn sie die Kinder taufen lasten. Und wozu geschieht's? Damit der Sohn, der vielleicht ein tüchtiger Soldat ist, auch die Möglichkeit habe, Reserveoffizier zu werden! Damit der Sohn, der Jura studieren soll, nicht blos die Möglichkeit habe, Rechtsanwalt oder Richter erster Instanz zu sein, sondern, seinen Fähigkeiten entsprechend, auch in die höheren Instanzen anfrücken soll! Und welches Gut verleihen damit die Eltern ihren Kindern? Sie zerstören das Familienleben; sie bringen es dahin, daß dasjenige, was am meisten stets hochgehalten ist in der jüdischen Glaubensgemeinschaft, daß dasjenige, waü als schönste» Gut dem Kinde mit auf den Weg in's Leben gegeben werden kann, was es stützt und ihm Halt verleiht in allen Lebenslagen, — daß die Pietät gegen die Eltern untergraben wird! Kommt es denn nicht dahin, daß der Korpsstudent, der das Glück gehabt hat, in ein Korps ausgenommen zu werden, weil er getauft ist, beim ersten Kommers, an dem er seinen Vater theilnehmen läßt, in der steten Furcht dasitzt, es könnte ein Wort über die Juden fallen, und es könnte dann um Gottes willen jemand merken, daß auch sein eigener Vater Jude sei? Kommt es nicht dahin, daß er sich seiner Eltern schämt? Denn wie sollte es anders sein? Muß er sich denn nicht sagen: „Ist der jüdische Glaube ein schlechterer? Warum ist der Vater nicht mit übergetreten, wenn er ihn als schlecht erkannt? Ist der jüdische Glaube wiederum nicht schlechter oder gar bester als ein anderer, warum hat der Vater dem Kinde diesen Glauben geraubt und ihn ihm nicht gelassen, wenn er ihn für gut erkannt hat?" — Er