Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 4 (April 1898)
- Article
- Ehrenpflichten
- Date
- 1898-04-01
- Page
- 184 (sequence 10)
- Language
- German
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184 Im deutschen Reich. die dort laut ausgeschrieen wurden. Als im letzten Sommer jene Sorte von Gewerbetreibenden sich wieder in der Friedrichstraße einfand, um die literarischen Kenntnisse des Berliner Volkes zu vermehren, habm wir uns in einer schleunigen Eingabe an das Polizeipräsidium gewandt, — und umgehend erfolgten Schritte, um die Verbreitung jener Schriften zu verhütm. Kurz vor Weihnachten vorigen Jahres veröffentlichte der antisemitische „Generalanzeiger" ein Flugblatt, voll von unwahren Behauptungen über den Inhalt der jüdischen Religionslehre, gipfelnd in dem Rufe, mit dem jene Leute bestrebt sind, ihre geschäftlichen Erfolge zu erringen, in dem Rufe: „Kaust nicht bei Juden!" Wir sind weit entfernt, den Gegenruf anwenden zu wollen: „Kauft nicht bei Christen!" Wir stehen auf dem Standpunkt: Kauft da, wo ihr reell und billig bedient werdet, und fragt dabei nicht nach dem Bekenntnisse des Verkäufers, von welchem ihr als Käufer nichts zu hoffen und nichts zu fürchten habt; seht euch die Persönlichkeit an und nicht den Glauben, den sie hat. Der Ruf: „Kaust nicht bei Juden!" erschien uns deshalb nicht angemessen, zumal wenn er unterstützt werden sollte durch Verleumdungen unserer Religionslehre. Und als jenes Blättlein ausposaunte, es werde am „Goldenen Sonntag" das Flugblatt überall in der Friedrich- und Leipzigerstraße vertheilen lassen, da haben wir nicht nur ein Gegenflugblatt verfaßt und Vorsorge getroffen, daß neben jedem Vertheiler jenes Flugblattes unser Gegenstugblatt vertheilt werden sollte, sondern wir haben uns auch an das Polizei-Präsidium gewandt und erreicht, daß kein einziger jener Zettelvertheiler am goldenen Sonntag die Straßen Berlins verunzierte. Als vor etwa zwei Jahren ein beklagenswerther Knabenmord auf den Wiesen bei Rixdorf passierte, da entblödeten sich die Blätter jener Sorte nicht, sofort zu melden: „Der Knabe soll zuletzt in Gesellschaft eines Mannes gesehen worden sein, dessen schwarzes Haar und schwarzer Bart, dessen gebogene Nase den unverkennbaren Typus getragen haben." Und andere Blätter hielten es für geeignet, an die Spitze jener Mittheilung die Marke zu setzen: „Das Osterfest naht!" Jedem Kundigen war es deutlich, was damit gesagt werden sollte, — und jedem sollte es ja auch deutlich sein; es sollte ja heißen, daß wiederum geschehen