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Im deutschen Reich · 1898-04-01 · Heft 4 (April 1898) · p. 181

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 4 (April 1898)
Article
Ehrenpflichten
Date
1898-04-01
Page
181 (sequence 7)
Language
German
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Ehrenpflichten. 181 Man mußte sich doch sagen:. Ja, ich habe gestern das gelesen und heute das, und nirgends erscheint eine Berichtigung, — also muß es doch wahr sein; denn wenn es Verleumdung wäre, würde der Gekränkte sich doch rühren?' Ja, daß sich niemand rührte, hatte seinen natürlichen Grund; denn wer las denn die Blätter jenes Gesindels? wer erfuhr denn davon, daß dergleichen Meldungen erdichtet waren? Nun, der Verein hat sich der wahrlich wenig angenehmen Aufgabe unterzogen, jene Presse zu überwachen, und in Fällen, in denen ein Angriff gegen bestimmte Glaubensgenossen gerichtet war, den Thatbestand untersucht und den Angegriffenen zum Verlangen der Berichtigung veranlaßt. Und, meine Herren, wenn die Leser jener Blätter, der anständige Theil unter ihnen, heute die Meldung irgend einer Schandthat eines Juden und morgen die erzwungene Berichtigung fand, wenn man sah, daß alles erlogen war, und. wenn morgen und allemal es gerade so passierte, — nun, dann mußten jene Leser sich sagen: Ich fasse jene Blätter nicht mehr an, denn wer sie anfaßt, besudelt sich. Deshalb hielten wir es für unsere Pflicht, jene Berichtigungen zu erzwingen — zu erzwingen eventuell durch Inanspruchnahme des Schutzes der Gerichte. Und nichts kann in dieser Beziehung unser Vorgehen besser rechtfertigen, als eine kleine Notiz, die sich einmal in dem Blatte „Das Volk" vorfand. Da hieß es im Briefkasten etwa folgendermaßen: „Wir danken Ihnen für Ihre freundliche Mittheilung. Wir sind aber leider nicht in der Lage, ferner Nachrichten aufzunehmen, deren Nichtigkeit uns nicht durch zwei uns bekannte Herren verbürgt wird. Zu dieser Rücksicht zwingt uns das Vorgehen des bekannten Denunzianten- Vereins zu Berlin." Nun, meine Herren, eine bessere Rechtfertigung konnten wir nicht finden für unser Verhalten in dieser Beziehung, als daß eine gewisse Presse anfing, zu scheiden unter den Nachrichten, nicht mehr zu bringen, was irgend ein phantasievoller Verleumder zu melden für gut fand, sondern einigermaßen wahrheitsgetreu zu berichten. Und nicht konnte es fehlen, daß in dem Maße, in dem die erzwungene Wahrheitsliebe der Blätter sich vermehrte, die Abonnentenzahl abnahm. Es verminderte sich die Zahl der „interessanten"

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