Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 4 (April 1898)
- Article
- Ehrenpflichten
- Date
- 1898-04-01
- Page
- 180 (sequence 6)
- Language
- German
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180 Im deutschen Reich. die Thätigkeit, welche am meisten den Widerspruch herausgefordert hat und welche gar manchem den willkommenen Vorwand bot, uns fem zu bleiben. Wir sagten uns) Wozu sind die Gesetze da? Wenn jemand einen Mord begangen hat, und ein anderer weiß den Thäter und geht zur Polizei und zeigt ihn an, — wird man da sagen: Der Angebende sei ein „Denunziant"? Wird man nicht sagen: ES ist ein Mann, der seiner Bürgerpflicht gegen den Staat genügt hat? Wenn jemand sonst von einem gemeinen Verbrechen hört, — wird man ihn als Denunzianten bezeichnen, wenn er den Thäter der Strafe überliefert? Und doch war der Umstand, daß die Antisemiten-Blätter, als wir die erste Strafverfolgung veranlaßten, den Verein als „Denunzianten-Verein" bezeichneten, gar manchem der Vorwand, sein Zurückbleiben im Kampfe als Vornehmheit sich auslegen zu lasten, sich den Anschein zu geben, als müsse er fernbleiben, weil er um Gottes willen nicht als „Denunziant" erscheinen wolle. Die Arbeit auf diesem Gebiete ist geringer geworden, und daß sie es ist, hat seinen Grund nicht in der Scheu vor Strafanzeigen, sondern darin, daß die Anzeigen ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Sollte man es wirklich ruhig mit ansehen, wenn man in Blättern der antisemitischen Partei Verleumdungen las, wie die folgende: ,Lerr Isidor Cohn, Königgrätzerstr. 102, II links, hat sein Dienstmädchen vergewaltigt; so machen es alle Juden. Also, ihr Christen, hütet eure unschuldigen Töchter davor, daß sie in Judenhäusern Dienste annehmen!" Gewiß kann ein Fall solcher Art vorgekommen sein, wie er, gleichviel ob bei Christen oder Juden, sich findet. Wenn aber ein unerfahrener Leser dies heute las und morgen dasselbe berichtet fand von Herrn Moses Jtzig und übermorgen Gleiches von einem dritten und so fort ad infinitum, — ja, mußte sich dann nicht ein Unerfahrener sagen: Die Juden sind wirklich Teufelskerle, sie sind wirklich so schimpflich, wie man sie in jenen Blättern hinstellt? Denn darauf konnte doch kaunr jemand kommen, daß die Frechheit so weit gehen würde, Namen zu nennen, die Wohnung so genau zu bezeichnen, daß ein Jrrthum ausgeschlossen ist, und.daß trotzdem die ganze Meldung gemeine Lüge und Verleumdung war!