Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 153 (sequence 12)
- Language
- German
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Umschau. 153 welche sich in Paris niederließen, brachten ihren Reichthum mit. Die gewiß unbefangene katholische „Köln. Volks - Zeitung" bestätigte dies durch folgende Ausführungen: „Die Rothschild, Erlanger, Koenigswarter, Haber, Weißweiler, Camondo und wie sie alle heißen, haben Millionen, ja mehrere zehn Millionen mitgebracht, als sie sich in Paris niederließen, wo ihr Vermögen freilich schnell gewachsen ist, aber wiederum zum guten Theil durch ausländische Geschäfte. Paris ist eben ein ganz vorzüglicher Mittelpunkt für Geldgeschäfte in aller Herren Länder. Indessen haben manche Juden auch ihr Geld in Paris zugesetzt, wie z. B. der frühere Branntweinpächter Günzburg, der mit mehreren zehn Millionen nach Paris kam und desien Söhne jetzt nur noch wenig davon besitzen." Uebrigens fühlen sich die französischen Banklreise, welcher Nationalität sie auch angehören, zunächst nicht beunruhigt, und weder Rothschild noch irgend ein anderer größerer Bankier hat die Absicht des Wegzugs von Paris bisher kundgegeben. In dem oben erwähnten Artikel des Kölnischen Blattes heißt es ^ferner wörtlich: „Es ist nicht ohne Wirkung geblieben, daß die Revolution die Juden den übrigen Bürgern vollständig gleichgestellt hat. Die Juden sind seither iy alle Berufe eingedrungen, Beamte, Richter, Offiziere geworden. Um den letzten Abstand, der sie von den Christen trennt, zu verwischen, treten daher immer mehr Juden zum Christenthum über. Bei den Juden ist der Ehrgeiz erwacht, auch etwas mehr zu sein, als reiche Leute; sie wollen ganz zur vornehmen Welt gehören. Kürzlich zählte ein Blatt etliche 50 adelige Herren auf, welche mit getauften Jüdinnen verheirathet sind, hierunter drei Fräulein von Rothschild und die Fürstin von Monaco, geborene Heine, aus erster Ehe Mutter des Herzogs von Richelieu. Sie vertritt die Rechte der Richelieu auf ihr Erbbegräbniß in der (der h. Ursula und ihren 11 000 Gefährtinnen geweihten) Kirche der Sorbonne. Auch eine ziemlich bedeutende Zahl reicher jüdischer Familien sind katholisch geworden, darunter der Baron Hermann Oppenheim, der sehr viel für die Kirche und mildthätige Anstalten thut. Trotz fortwährenden Zuzuges mehren üch daher die Juden (etwa 75 000) in Frankreich gar nicht, mindern sich eher. Trotz ihrer Zähigkeit werden sie aufgesogen, eingeschmolzen, wenn auch nur langsam." —Der deutschfeindliche Charakter der antisemitischen Bewegung in Frankreich offenbarte sich darin, daß sich an das Dreyfus-Zola-Drama eine förmliche Hetze gegen die aus dem Elsaß nach Paris gezogenen Juden anschloß. Ueber die Wirkung des Zola-Prozesses wurde der „Köln. Ztg." aus Straßburg berichtet: „Man sängt an, sich Frankreich gegenüber fremd zu fühlen, und in Kreisen, die früher nur mit Widerwillen