Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 152 (sequence 11)
- Language
- German
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152 Im deutschen Reich. getauften Juden, alle Personen, welche nachweislich von Juden abstammen, sowie Arier, welche mit Personen verheirathet sind, die nachweislich von Juden abstammen, vom aktiven Personen-, wie auch vom passiven Wahlrechte auszuschließen." Derartige Maßlosigkeiten können aber nur dazu dienen, die österreichischen Regierungskreise in der Ueberzeugung zu bestärken, daß sie dem Antisemitismus,, der bereits gefährliche Ausschreitungen veranlaßte, von Grund aus zu steuern verpflichtet seien. Dem Erlaffe der cisleithanischen Regierung, welcher den Austritt der Beamten und Mittelschullehrer aus antisemitischen Vereinen anordnete, ist bereits ein zweiter an die Schulleitungen in Böhmen gefolgt, der denselben die Förderung der nationalen und konfessionellen Duldsamkeit an den Schulen in Erinnerung brachte und die Lehrer mahnte, der Schuljugend hierin ein gutes Beispiel zu geben. Man sucht also das Uebel bei der Wurzel zu fassen, und das kann eben nicht anders geschehen, als indem man mit der Bekämpfung des Antisemitismus bei den Schulen beginnt. Die österreichische Negierung will offenbar nicht hinter der ungarischen Negierung zurückstehen, welche bei Berathung des Kultusbudgets durch dm Unterrichtsminister Wlassics eine sehr entschiedene Erklärung abgegeben hat. Derselbe konstatierte, daß die Komitate, in denen sich die sozialdemokratischen Wühlereien abspielen, die Brutstätten des Antisemitismus seien, und hob ausdrücklich hervor, daß man mit antisemitischen Hetzereien beginne und mit dem Kampfe gegen den „guten Rock" ende. — kennzeichnend für die Gesinnungslosigkeit der österreichischen Judengegner, die sich so häufig als Vertreter des Deutschthums aufspielen, war besonders das Glückwunsch-Telegramm, welches der Wiener Vizebürgermeister Strohbach und seine Gesinnungsgenossen als Vertreter des niederösterreichischen Landtages an den französischen Hetzer Drumont aus Anlaß der Verurtheilung Zola's richteten. Einen überzeugenderen Beweis für den „internationalen" Charakter des Antisemitismus hätten diese „Pseudo-Nationalen" kaum liefern, können! Wer die Verhältnisse in Frankreich unbefangen beurtheilt, wird auch sicher nicht verkennen, daß dort ein tiefwurzelnder Deutschenhaß weit verbreitet ist, welcher sich feig hinter antisemitischer Maske verbirgt. Die Zahl der in Frankreich lebenden Juden ist so gering, daß die Behauptung, dieselben hätten auf das Land, die Negierung und das Volk einen übermäßigen Einfluß, nur als eine lächerliche Uebertreibung gelten kann. Von einer Ausbeutung Frankreichs kann erst recht nicht die Rede sein, denn.die Juden,