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Im deutschen Reich · 1898-03-01 · Heft 3 (März 1898) · p. 150

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 3 (März 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-03-01
Page
150 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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160 3m deutschen Reich. mit Erfolg betriebene Buhlen des auf einer Agitationsreise durch Baden begriffenen Abg. Liebermann von Sonnenberg um die Gunst des C e n t r u m s. Es ist nicht zu leugnen, daß die in vatikanischen Kreisen, angeblich auch insbesondere vom Kardinal-Staatssekretär Rampolla kundgegebene Befriedigung über die Verurtheilung Zolas,* des Verfaffers von „Lourdes" und „Rome", der antisemitischen Strömung in weiten klerikalen Kreisen förderlich gewesen ist. Uebereinstimmung herrscht aber keineswegs in diesen Kreisen in Bezug auf den Antisemitismus, der von einzelnen ultramontanen Blättern offenbar unterstützt, von anderen aber mit größter Entschiedenheit bekämpft wird. So äußerte sich die sehr einflußreiche krtholische „Kölnische Volkszeitung": „Weil Zola unsagbar schmutzige Romane geschrieben, zuletzt sich auch auf Schmähung und Verleumdung der Kirche und ihrer Einrichtungen verlegt hat, haben manche Katholiken geglaubt, sich auf die andere Seite stellen zu müssen. Besonders in Frankreich ist dies der Fall, indem die Katholiken nach dem Beispiele des Grafen de Mun jeden Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens gegen Dreyfus als eine Beschimpfung des Heeres ansehen. Sie haben die Rechtsfrage ganz bei Seite geschoben, also wieder einen trefflichen Anlaß versäumt, zu zeigen, daß ihnen das Recht über alles geht . . . Die Radikalen, Anarchisten und Sozialisten werden volksthümlich, gewinnen Boden, indem sie in diesem Falle für Recht und Gesetz eintreten. Die Katholiken gehen Hand in Hand mit den Radauantisemiten und werden deshalb zu diesen geworfen . . . Einen Vorwurf kann man den Juden aus ihrem Eintreten für Drey.us' Unschuld nicht machen. Ganz im Gegentheil: sie geben ein Beispiel, wie man sein Recht mit allen Mitteln erstreiten soll, wenn dasselbe in Gefahr steht. Wer in dieser Weise sich wehrt, sichert nicht blos die eigene Stellung, sondern den Rechtszustand im Allgemeinen und für Alle. Besonders die Katholiken können daraus eine Lehre ziehen." Eine Anzahl katholischer Kirchenfürsten hat sich neuerdings in diesem Sinne geäußert. Der Kardinal-ErzbischofGoossens von M e ch e l n erklärte einem Vertreter des Brüsseler Blattes „Soir" gegenüber, daß kein katholischer Priester den Grundsätzen Drumonts Vorschub leisten dürfe. Der Bischof von Lüttich hat den Führer der Christlich-Sozialen in Belgien, Abbä Daens, streng gemaßregelt und ihm verboten, als Kandidat für die nächsten Kammerwahlen aufzutreten. Die in der „Review of Reviews" enthaltene Behauptung, daß die antisemitische Bewegung in Frankreich vom Vatikan geschürt werde, veranlahte den „Catholic Herald" gegen-

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