Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 148 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316637-2316641--03753-2322168- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
148 3m deutschen Reich. ihren Verleumdungen immer hangen bleiben. In S p a n d a u hat A h l w a r d t in dm ersten MärzLagen erfreulicher Weise erfahren, daß dort nicht mehr dieselbe Stimmung herrscht wie zu jener Zeit, in welcher dort unter dem Jubel einer zahlreichen Versammlung von dem Hauptmann a. D. Herter dem „Rektor aller Deutschen" ein Lorbeerkranz aufgesetzt wurde. Als Ahlwardt jetzt wieder kam,, um gegen 30 Pfg. Eintrittsgeld über „Judenflinten, Dreyfus und Zola" zu sprechen, fand er nur sieben Zuhörer vor, verzichtete deshalb auf den Vortrag und verließ tiefverstimmt die einstige Stätte seines Ruhmes. In Potsdam fand er darauf durch eine gutbesuchte Vortragsversammlung einen Ersatz für den Schaden. Dagegen mußte er in Hamburg auf das gleiche Geschäft verzichten, da die Polizei den Vortrag nicht gestattete, „dessen Thema den Frieden und die öffentliche Sicherheit gefährde". Wenige Wochen vorher hatte auf eine Anfrage des Abg. Eugen Richter im deutschen Reichstage in Betreff der neuerdings wieder von Ahlwardt über die aus der Löweschen Fabrik stammenden Gewehre verbreiteten Ausstreuungen Generalmajor v. d. Boeckh festgestellt, daß bisher von den Gewehren Modell 1888, bei denen allein die „Judenf l i n t e n " zu suchen wären, noch nicht ein einziges Gewehr zerlegt worden sei. Die aus der Löweschen Fabrik stammenden Gewehre hätten sich als ebenso kriegsbrauchbar erwiesen, wie alle andern. Bei den Verkäufen in Rastatt und Metz — von wo nach Ahlwardts Behauptung ganze Wagenladungen von zertrümmerten Löwe'schen Gewehren nach Hörde verkauft worden sein sollten — habe es sich um altes unbrauchbares Material, worunter auch alte französische Gewehre, gehandelt. Unter allgemeiner Heiterkeit und Beifall des ganzen Hauses konnte darauf der Abg. Eugen Richter feststellen, daß es sich mit dieser Behauptung Ahlwardts ebenso verhalte wie mit allen seinen früheren. Die „Hagener Ztg." schrieb darauf: „Die Leser werden sich erinnern, mit welcher unerhörten Dreistigkeit Ahlwardt auch in unserem Wahlkreis mit seinem „Judenflinten "-Märchen operiert hat, wie er sich nicht scheute, die militärischen Sachverständigen, auf deren eidliches Gutachten hin seine Verurtheilung erfolgte, den Reichskanzler Graf Caprivi, den sächsischen Kriegsminister rc. in der schmählichsten Weise zu verdächtigen! In der That, wer jetzt noch Ahlwardt'schen Versicherungen und Behauptungen, und seien sie noch so sehr im Biedermannstone vorgetragen, Glauben schenkt, dem ist nicht zu h elfen!" In derselben Reichstagssitzung, in welcher das „Judenflinten-