Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 147 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 147 Am Dienstag, den 1. März, kam die in Schoppinitz wohnhafte Mutter der beim Kaufmann I. Grünbäünr in Wilhelrninenhütte dienenden Marie Trvardoch 311 Frau Grünbaum autb ersuchte diese, ihre Tochter mtö dem Dienst zu entlassen, da sie selbst sich die Hand verbrüht habe nnd die Hilfe der Tochter bei den häuslichen Arbeiten brauche. Frau Grünbaum lehnte die sofortige. Entlassung ab, willigte aber ein, das Mädchen an mehreren Nachmittagen zur Aushilfe nach Hause 311 schicken. Am 3. März ging Marie Trvardoch zu diesem Zwecke nach Schoppinitz, kehrte aber vorher bei einer irn Grnnbaum'schen Hause wohnhaften Arbeiterftan Syn 0 wietz ein, scherzte und tanzte mit ihr unb drückte sie auch nach Aussage der Shnöwietz mit der Brüst fest cm sich. An deniselben Abend veranlagte ein im Elternhause der Twardoch entstandener Lärm einen Menschenauflauf in Schoppinitz und als Ursache des Lärms wurde angegeben, daß das Dienstmädchen Trvardoch an den Folgen mehrerer ihr im Grünbaumschen Hause an der Brust beigebrachten Schnittwunden schwer krank darnieder liege. Die. Vorgänge bei dem Weggange des Mädchens auS Wilhelminenhütte berveisen aber, dag die Verletzungen derselben dort nicht beigebracht worden sein können. Als Grünbaum am 4. März von dem über ihn verbreiteten Gerücht Kenntnijz erhielt, erstattete er selbst Anzeige bei dem Amtsvorsteher, der i&it auf seinen Antrag aus Bestrafung der Verbreitung der Verleumdung aus den Weg der Pribatklage verwies» Da die Haltung eines Theils der Bevölkerung einen drohenden Charakter annahm, wandte sich Grünbaum an die Kgl. Staatsanwaltschaft 31t Beuthen O.-S., was eine polizeiliche Bcrnehuuulg bei dem Amtsvorstcher zur Folge hatte. $u dieser Vernehmllng ist Grünbaum keinesfalls e s k 0 r t i r t w 0 rde n: er ist auch auf dem Hin- und Rückwege völlig unbehelligt geblieben. Hier wie überall wird sich Herausstellen, dag die ganze Hetze auf p I u m p e r E r f i u fr u n g beruht. Dieselbe Mittheilung ging auch dem „Oberschl. Tageblatt" und der „Breslauer Ztg." zu. Die Letztere bemerkte: „Es ist dafür gesorgt, daß die „Staatsbürger Zeitung" und ihre Hintermänner, die in sehr gemeingefährlicher Weise den Frieden in der Gemeinde Schoppinitz zu untergraben suchen, der gerechten Strafe nicht entgehen werden." Es ist aber wirklich hohe Zeit, daß wenigstens.die deutsche Bevölkerung den Antisemiten klar macht, daß sie zu intelligent ist, um den Blödsinnzu glauben, den jene ihrvorzuschwatzenversuchen. Solangesichaber immer noch Neugierige und Radaulustige finden, welche ein Eintrittsgeld opfern, um Hetzvorträge anzuhören, werden die Geschäftsantisemiten auf diese Einnahmequelle nicht verzichten, und etwas wird leider auch von