Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 146 (sequence 5)
- Language
- German
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146 3m deutschen Reich. lichen Mädchen Marie Blüml zwei Töpfe voll Blut äbgezapft haben. Als dieses Gerücht üüftauchte, ließ die Ntzichenauer Behörde die Blüml sofort verhaften und ärztlich untersuchen. Dr. Vinklar, der Arzt der Reichenauer Arbeiterkrankenkaffe, erklärte hierauf, daß er an dem ganzen Körper des Mädchens nicht das Geringste gefunden habe; das Mädchen sei hysterisch; über ihren geistigen Zustand könne nur ein Psychiater ein Urtheil abgeben. Der k. k. Bezirksarzt Dr. Proß erklärte, er habe gleichfalls nichts gefunden, der Distriktsarzt Dr. Kalensky konnte auch nichts wahrnehmen und der Arzt des Bezirkskrankenhauses Dr. Niegel schloß sich diesen Urtheilen völlig an. Das krankhaft veranlagte Mädchen wurde nach wenigen Tagen aus der Haft entlassen, da sich die durch das Gerücht hervorgerufene Aufregung gelegt hatte und weder für die mit Unrecht beschuldigte Buchhändlerswittwe noch die andern Reichenauer Juden Grund vorlag, irgend eine Belästigung zu befürchten. Am 11. März veröffentlichte die „Staatsbürger-Ztg." nachstehende „besondere Mittheilung" aus S ch o p p i n i tz O. - S.: „Von vertrauenswürdiger Seite wird uns geschrieben: Eine mysteriöse Geschichte erregt seit vorigem Sonnabend die Gemüther der hiesigen christlichen Bewohner, aus deren Dunkel nur folgende Thatsächen an die Oeffentlichkeit dringen: Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am 9. d. M. das Gerücht, daß das 21 jährige, bildhübsche Dienstmädchen Marie Trvardoch, zu Schoppinitz O.-S. gebürtig, seit kürzester Zeit bei dem israelitischen Kaufmann Israel G r ü n b a u m in Diensten stehend, Freitag, 4. d. M., in der Nacht, nachdem es aus einem tiefen Schlafe erwacht, plötzlich Reißaus genommen habe und im Hause seiner Eltern schwer darnieder liege. Die ärztliche Untersuchung soll mehrere Schnittwunden an der Brust, die ihr — da sich Marie Twardoch in keiner Weise eine Verletzung zugezogen — von fremder Seite beigebracht worden sein müssen, ergeben haben. Der Zustand des Mädchens ist ein besorgnißerregender, es soll schon der Geistliche geholt worden sein. Die Polizei hat sich der Angelegenheit bereits bemächtigt, und als am Mittwoch der Dienstgeber .Grünbaum zur Vernehmung eskortirt wurde, wurden Ruse laut, wie: „Hinaus mit den Juden!" Hoffentlich gelingt es, den Schleier des Geheimniffes zu lüsten." — Aus unsere sosortige Anfrage hat uns derVorstand des jüdischen Cülturvereins zu Rosdzin-SchoPpinitz, der uns mindestens als ebenso „vertrauenswürdig" gilt wie der anonyme Berichterstatter der „Staatsbürger Ztg.", geantwortet: