Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 145 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 145 modelte diese Notiz derartig um, daß mehrfach irrthümlich angenommen wurde, daS Königsberger Blatt habe das Gerücht von einem Ritualmord verbreitet. Als sich deshalb ein Vorstandsmitglied deS Vereins zur Abwehr des Antisemitismus an die Behörde zu Skaisgirren wandte, ertheilte der Amtsvorsteher Zeroch eine vom 28. Februar d. I. datierte Antwort, in der u. A. gesagt wurde: „Ich beehre mich auf die gefl. Anfrage vom 23. Februar cr. ergebenst zu erwidern, daß der h ier angeblich begangene Nt i t n a l m o r d vollständig a u s d e r L u ft gegriffen ist. Recherchen sind von der Polizeibehörde nicht gemacht worden, auch ist an dieselbe keine Anzeige ergangen Die p. Picktapp hatte selten ein Jahr in ihren: Dienst ausgehalten, sondern entfernte sich größtenteils widerrechtlich aus demselben, um einen neuen Dienst anzunehmen. So machte sie es auch im Dienst bei Grodszinsky. Aach 14 Tagen erschien Wilhelmine Picklapp wiederum bei (Arodszinslh und verlangte die Entlassung ans dem Dienst, auch die Herausgabe des Dienstbuches. Grodszinsly verweigerte beides, forderte vielmehr die Dienstbotirl auf, ihren verlassenen Dienst wieder anzutreten und fortzusepen. Sie entfernte sich jedoch wiederum und befindet sich gegenwärtig bei der Pflegemutter ihres lindes zu Plicken bei Meh tanken." Am Schluß dieses Schreibens theilte der Herr Amtsvorsteher mit, daß Grodüzinsky einen Strafantrag gegen die Redaktion deS KönigSberger Blattes stellen wolle. Die Redaktion bemerkte hierauf: „Unsere Notiz hat das Gerücht sofort als thöricht bezeichnet; wir haben es ausdrücklich charakterisiert als ein trauriges Testimonium für den Aberglauben und die Intoleranz des Volkes, und wir haben den Geschäftsmann bedauert, daß er darunter zu leiden hat. Daß somit von einer Beleidigung oder Geschäftsschädigung unsererseits absolut' keine Rede sein kann, ist selbstverständlich. Charakteristisch aber für die antisemitische und konservative Presse ist es, daß sie aus unserer Notiz alle jene Bemerkungen geflissentlich ausgemerzt hat, die die Entstehung jenes Gerüchtes auf das Schärfste verurtheilten und den Geschäftsmann selbst gegen die Folgen desselben zu schützen suchten." - Ebenso harmlos wie der Picklapp-Schwindel erwies sich eine Blutabzapfungsgeschichte, die sich in Reichenau in Böhmen ereignet haben sollte und dem dortigen czechischen Antisemitenblättchen „Pose! z Podhori" den Stoff zu einem Sensaüonsartikel lieferte, der von dem Verganischen „Deutschen Volksblatt" in Wien ins Deutsche übertragen und noch willkürlich ausgeschmückt und dann von Sedlatzeks „General-Anzeiger" am 23. Februar nachgedruckt wurde. Danach sollte die jüdische Buchhändlerswittwe Friedmann dem zu diesem Zwecke betäubten christ-