Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- Eine Parallele zum Dreyfus-Prozeß
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 136 (sequence 3)
- Language
- German
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136 3m deutschen Reich. das Wehklagen und Wimmern erschüttert, Geständniffe ablegen sollten, ohne Nahrung gelaffen. Aber diese jüdischen Mütter haben trotzdem die Anklage mit keinem Hauche befestigt, nur eine Frau und deren Tochter traten, um ihre verschmachtenden Kinder zu retten, zum Islam über und entgingen dadurch weiterer Verfolgung. Scherif Pascha begab sich nun mit Soldaten ins Judenquartier und ließ das Haus eines der sieben Verhafteten niederreißen, um die Leiche des Kapuziners oder verdächtige Spuren zu finden; ein jüdischer Jüngling, der sich beim Pascha meldete und. vor ihm erklärte, er habe den Pater Tomaso kurz vor seinem Verschwinden in den Kaufladen eines Türken eintreten sehen, wurde, da die weitere Verfolgung dieser Angabe die Kreise Mentons arg gestört hätte, zu Tode gepeitscht. Menton ließ nun den türkischen Diener eines der verhafteten Juden so lange peitschen, bis d-'eser aus Angst vor weiteren Folterqualen aussagte, daß er auf Befehl seines Herrn den Pater Tomaso im Beisein der anderen Angeklagten getödtet habe. Der Diener wurde an den Platz geführt, wo die Knochen und der Schädel des Ermordeten in den Kanal geworfen sein sollten; man fand in der That ein Stück Knochen und einen Lappen, ersteren erklärten christliche Aerzte für den Theil eines Menschengebeins und der Lappen galt als Barett des Paters. Somit war Menton im Besitz der sichtbaren Beweise des Mordes im Judenquartier. Die sieben Angeklagten wurden von neuem verhört und den scheußlichsten Folterungen unterworfen, einer starb während der Tortur, ein anderer nahm, um sich zu retten, den Turban; die anderen, stumpf geworden und nach einem raschen Ende verlangend, sagten aus, was man von ihnen verlangte. Dies hals ihnen aber wenig, denn der französische Konsul verlangte jetzt auch die Herausgabe der Flasche mit dem Blute, das man dem Pater abgezapft haben sollte. Man folterte sie aufs neue, aber dies hatte nur den Erfolg, daß die Gequälten ihre vorigen Geständniffe widerriefen. Neue Verhaftungen erfolgten, natürlich wieder aus der Mitte der reichsten Juden; durch Peitschenhiebe an einem Kinde im Beisein der Mutter wurde der Versteck eines Entflohenen entdeckt; drei Rabbiner hatte man schon vorher eingekerkert und wiederholt gefoltert, aber auch sie hatten standhaft das verlangte Bekenntniß verweigert. Die Mönche in Damaskus hatten indessen an der Fanatisierung des christlichen und mohamedanischen Pöbels unverdrossen ge-